
Aristophanes: Lysistrate. Eine Anti(ke)-Kriegskomödie
Die Theatergruppe der Oberstufe spielte am 13. und 14. Februar 2025 die Komödie „Lysistrate“ aus der Feder des griechischen Komödiendichters Aristophanes in einer modernisierten Eigenproduktion im Bayreuther Zentrum.
Die leider (!) zeitlos wirksamen Mechanismen von Gier, Hass und (Groß-)Machtgelüsten stellen wieder einmal das Wertesystem an den Rändern Europas auf den Kopf, jährt sich doch in diesen Tagen der russische Angriffskrieg auf die Ukraine – keine zwei Flugstunden von uns entfernt – zum dritten Male.
Unter der Leitung von Jan Ehlenberger und Christl Lobe, die seit nunmehr zehn Jahren die Theaterarbeit in der Oberstufe kompetent, ehrenamtlich (!) wie enthusiastisch unterstützt, wurde das Publikum auf eine Reise durch die Zeiten mitgenommen. Das Ringen um die Fragen über Krieg und Frieden wurde durch die zwei Dutzend Mitwirkenden mit viel Theaterdonner und Kriegsgedröhn, aber auch mit leisen Tönen, mal witzig, dann wieder bitterernst dargeboten. Eine Reise durch viele beglückende Erfahrungen der kreativen und konstruktiven Zusammenarbeit wurden die intensiven Proben für die Akteurinnen und Akteure mit wöchentlichen Samstagsproben seit Ende Oktober und der spannenden Theaterwoche im Zentrum, an dessen Ende die vom Publikum begeistert aufgenommenen Aufführungen standen. Besonders erfreulich war, dass die Schülervorstellung am Freitagvormittag vor den 7. und 8. Klassen die Aussagen des Stückes transportieren konnte – ein Zeichen für die gelungene Mischung aus Ernst und Komik, aus Tanz und Kampf und nicht zuletzt für die Gesamtleistung eines überaus engagierten und begabten Ensembles, das bis in die Details hinein akribisch an Videoanimationen, Kulissen, Kostümen, Choreographien feilte.
In der Komödie Lysistrate nimmt Aristophanes nicht explizit Stellung zur Situation des Peloponnesischen Krieges, vielmehr hält er ein allgemeines Plädoyer gegen solche Kriege, in denen es bei allen Parteien um die Erreichung imperialistischer bzw. egoistischer Interessen geht.
Die Männer sind nämlich schuld am Krieg…
Diese Einsicht gewinnt die Titelfigur Lysistrate aus Unzufriedenheit mit der problematischen politischen Situation Athens und entwickelt einen revolutionären Plan: Sie fordert die Frauen aus Athen, der Peloponnes und Böotien dazu auf, einen Ehe-Streik durchzuführen. So verschanzen sie sich auf der Akropolis und vollziehen die Trennung von Tisch und Bett, um damit ihre Männer zur vorzeitigen Beendigung des Krieges zu zwingen. Trotz anfänglicher Widerstände und komischer Verwicklungen zeichnet sich ab, dass die Frauen mit ihrer List Erfolg haben könnten. Bemerkenswert ist, dass Lysistrate in der Spartanerin Lampito ihre entschlossenste Helferin findet. Lysistrate ist vom Geist echter Versöhnlichkeit getragen mitten im schwersten Existenzkampf der Stadt. Doch auch die Männer lassen sich für ihr Comeback ins patrimoniale Schlafzimmer einiges einfallen.
Wer wird am Ende siegen?
Im Stück des Aristophanes, des bedeutendsten Komödiendichters der alten und mittleren attischen Komödie vom Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., gehen politische Wirklichkeit und Utopie, ernste Mahnung und ausgelassene Komik eine untrennbare Verbindung ein. Was ihn bis in unsere Tage so zeitlos macht, ist sein Schreiben für Ausgleich und Versöhnung in einem Klima außen- und innenpolitischer Krisen.
„Wenn sich die Natur des Menschen nicht ändert, werden die Kriege nie aufhören – jede Generation muss lernen, Frieden zu suchen und Krieg zu meiden…”