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Eine Ode an das Menschsein

Michel Friedman am GCE

Ein fulminantes und mitreißendes Plädoyer für das Menschsein, das Fragen, Streiten, für Toleranz, für Akzeptanz, für Demokratie und für Menschenrechte war die Veranstaltung mit Michel Friedman am Samstagnachmittag in der Turnhalle des GCE. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Ehemalige, Freundinnen und Freunde unserer Schule waren der Einladung des Vereins der Freunde und der Schule gefolgt. 

Die Fachschaft PuG hatte die Begegnung mit Friedman initiiert und organisiert.

Die Veranstaltung fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und massivem Polizeischutz statt. Alleine das ist schon ein trauriges Bild der Zustände unserer Zeit. 

Umso belebender dann die Veranstaltung mit dem Publizisten, der mit ungeheurer Emotion und Verve für die Demokratie warb: „Was mich mein Leben über Bildung lehrte“, war der Titel der gut halbstündigen Rede Friedmans.

Für die Bildung forderte er zwei Standbeine: Vernunft, fachliches Wissen, damit man prüfend und fragend auf die Welt blicken kann und Emotion: „Erkenntnis erfordert nicht nur Denken, sondern auch Fühlen. Dies wurde viel zu lange vernachlässigt. Auch in der Wissenschaft. Denn Erkenntnis hat auch mit Gefühl zu tun: mit einem Unbehagen, mit Skepsis, mit Zweifel. Auch: mit Verzweiflung.“ 

Friedman machte deutlich, dass nur in der Demokratie wirkliche Bildung ein Wert ist, der in der Verfassung verankert ist, denn Bildung führt zu Fragen. Allein in der Demokratie gelte: „Kein System, keine Autorität, kein Gesetz ist es wert, nicht infrage gestellt zu werden. Wer fragt, begreift. Wer fragt, bleibt frei.“

Friedman forderte dazu auf, den Wert der Demokratie neu für sich persönlich zu entdecken. „Seien wir nicht verzagt! Kämpfen wir für unsere Freiheit! Wir haben das bessere Produkt!“, rief er den Hörern zu und ermutigte, gegen demokratiefeindliche Tendenzen aktiv aufzustehen. Es ist an der Zeit, die Dinge in die Hand zu nehmen. Nie sei die Demokratie derart gefährdet gewesen wie heute. Es ist an der Zeit aufzustehen und die Demokratie zu verteidigen. 

Im Anschluss an den Vortrag diskutierte Michel Friedman direkt mit dem Publikum. Es gab Gelegenheit Fragen zu stellen und im positiven Sinne zu streiten. Friedman forderte zum fairen Austausch der Argumente auf, ohne das Gegenüber als Mensch in Frage zu stellen. Demokratie lebe von diesem Streit auf Augenhöhe, vom Austausch der Argumente. 

„Es steht doch schwarz auf weiß im Grundgesetz, so wird es uns doch beigebracht: dass wir in einer Staatsform leben, in der Meinungsfreiheit, Gedankenfreiheit, Kunstfreiheit, Minderheitenschutz, Gleichberechtigung unverzichtbare Prinzipien sind. In der Menschen keine Angst vor der Vielfalt anderer Menschen haben sollen. Ich hatte nie Angst vor der Vielfalt der Menschen. Wenn Angst, dann vor ihrer Einfalt.

Es ist doch die Vielfalt, die es uns ermöglicht hat, über das Denken nachzudenken. Unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr als Bedrohung, sondern als Ansporn zu verstehen. Sie hat uns Wissen, Wissenschaft gebracht. Sie hat uns gezeigt, dass Suchen und Weitersuchen die Kraft des Fortschritts sind und dass Wissen nicht ewig gilt. Sondern durch ewiges Weiterfragen zum nächsten Wissen führt. Denn Wahrheit ist ein unglaubliches Versprechen, das man hinterfragen muss.

Vorsicht: Lebensgefahr! Wahrheit, die nicht hinterfragt wird, wird zum Dogma. Zur Ideologie. Diese sind starr, unmenschlich, gefährlich. Sie rechtfertigen Gewalt gegen die Menschen, die sie infrage stellen, die weitersuchen.“

Was für ein Plädoyer an dem Samstag, an dem in Berlin eine Demonstration der Vielfalt dem Terror zum Opfer fiel!