„Heulen mit den Wölfen“ am GCE
Das Staatstheater Nürnberg gastierte am 22. Juli mit einer Kurzfassung des Stücks „Heulen mit den Wölfen“ am GCE.
1933 erhielt Franz Anton Salomon einen Brief vom 1. FC Nürnberg, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er aufgrund seines jüdischen Glaubens aus dem Verein ausgeschlossen ist. Und ausgerechnet dieses Dokument trug er auf seiner mehrjährigen Flucht bis in die USA bei sich – wie sehr muss ihn der Ausschluss getroffen haben?
Salomons Geschichte ist eine von 142 Biografien jüdischer Mitglieder, denen die Publikation „Heulen mit den Wölfen“ von Bernd Siegler gewidmet ist. Vor diesem Hintergrund entstand in der Regie von Ron Zimmering ein Kaleidoskop aktueller Fragestellungen: Warum ist mein Verein mein Verein? Wie und weshalb wirkt Fußball identitätsstiftend und damit gleichermaßen ausschließend? Denn längst wirkt Fußball in den Diskursen, die er anstößt, weit über das Sportliche hinaus: Wer welche Nationalität wieso hat, die Hymne mitsingt, homosexuell ist, in der Fankurve stehen darf, usw., wird öffentlich diskutiert.
Mit diesen Fragen, die das Gestern mit der Gegenwart verbinden, reiste die Theatertruppe aus professionellen Schauspielern, Regisseuren, Technikern und Dramaturgen vom Staatstheater Nürnberg und Darstellern aus der Stadtgemeinschaft, die in der einen oder anderen Weise mit Fußball zu tun haben, ans GCE. Dort spielten sie vor den Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe und vor den Teilnehmern der Kurse für Evangelische Religion der 12. Jahrgangsstufe eine Kurzversion des Stücks. Anschließend bestand die Gelegenheit zum Gespräch mit der Theatertruppe.
Die Aufführung und die anschließende Gesprächsrunde waren ein mit allen Sinnen erlebbarer Beitrag zur Demokratieerziehung. Sie haben das junge Publikum schwer beeindruckt.
„Heulen mit den Wölfen“ steht auch in der neuen Spielzeit wieder auf dem Programm des Staatstheaters Nürnberg. Ein Besuch wird dringend empfohlen.