#GCE goes digi

350 Jahre: Antike mit allen Sinnen erleben!

Die Woche der Alten Sprachen am Gymnasium Christian-Ernestinum Bayreuth

„Garum! Wer mag ein bisschen Garum?“, Leon schüttelt grinsend ein Fläschchen mit einer geheimnisvollen braunen Flüssigkeit. Entsetzen spiegelt sich in den weit aufgerissenen Augen der anderen Schüler. Schon allein beim Gedanken an die berühmt-berüchtigte Fischsoße, deren Geruch bei der Herstellung so intensiv war, dass Garumfabriken nur außerhalb von Ortschaften zulässig waren, schüttelt es die Schüler. Nur Hartgesottene wagen es, die römischen Delikatessen, mit denen die Klasse 10d an diesem Tag die ganze Schule verköstigt, mit Garum zu beträufeln, selbst wenn es sich in unserem Fall nur um die moderne und harmlose Variante handelt, nämlich um chinesische Sojasoße. Caseus (Käse), uvae (Trauben), oleae (Oliven), crustula (Honigplätzchen) und mustei (Mostbrötchen) gehen hingegen weg wie warme Semmeln. Auch moretum, eine überaus beliebte Käsecreme, findet großen Anklang. „Mmh, die schmeckt ja so lecker. Da brauche ich unbedingt das Rezept!“, lobt Frau Weigert. Herr Pöhlmann beißt in ein dick bestrichenes Moretumbrötchen: „Kein Wunder, dass die Römer die Welt erobert haben-“, lacht er, „da ist ja ordentlich Knoblauch drin! Da haut ja jeder Feind freiwillig ab!“

 

Eine andere Erklärung für die Weltherrschaft der Römer hält Josef Geisberger bereit. Der experimentelle Archäologe der Universität Regensburg hat sich auf das römische Militärwesen spezialisiert und das Dasein als Legionär auf zahlreichen Märschen erprobt. Nun berichtet er den Schülern authentisch, anschaulich und packend von seinen Erlebnissen. Er betont dabei, dass die Überlegenheit der Römer gegenüber den meisten ihrer Gegner auf Disziplin, Übung, Technik und Ausrüstung beruht. Selbstverständlich dürfen auch unsere Schüler sich als Legionär versuchen. „Sicherer Stand, ein Bein vor, Schilde in einer Linie, in Deckung gehen und pugnate!“, kommandiert Josef Geisberger und schon schnellen die blitzenden Schwerter nach vorne. Dann wiederum heißt es: „Testudo!“ und die Schüler formatieren sich zur berühmten Schildkröte.

Herr Geisberger ist nicht allein gekommen: Er hat seinen Kollegen Florian Gartner mitgebracht. Er ist ebenfalls experimenteller Archäologe und hat sich das Gladiatorentum als Forschungsgebiet ausgewählt. 2010 schlüpfte er in die Haut eines Gladiators. Über mehrere Monate hinweg absolvierte er im Amphitheater des antiken Carnuntum bei Wien eine Ausbildung zum Gladiator, genauer gesagt zum Secutor, zum Verfolger eines Retiarius, Netzkämpfers. Nicht nur Techniken und Regeln interessieren die Schüler, sondern auch der Alltag der Gladiatoren. „Die Gladiatoren ernährten sich vorwiegend von Hülsenfrüchten,“ erklärt Florian Gartner den Schülern, „und so gab es auch bei uns mal Erbsen, mal Linsen, mal Bohnen, mal Erbsen mit Bohnen, dann wieder Bohnen mit Linsen, usw. Man gewöhnt sich daran. Klar, dass ich auf Schokolade, Kaffee und Alkohol verzichtet habe, aber ich habe auch keine Tomate und keine Kartoffel gegessen. Das kannten die Römer ja noch nicht.“ „Keine Pommes?“ „Nein, keine Pommes! All das gute Zeug war tabu! So aber konnten Mediziner interessante Veränderungen in unserem Blutbild beobachten.“

Parallel zum Besuch der Regensburger Archäologen liest die Bamberger Autorin Susanne Rebscher aus ihrem Buch „ Julius Caesar.“ Der vielleicht berühmteste aller Römer zieht die Schüler in seinen Bann und Susanne Rebscher wiederum versteht es, die Schüler zu faszinieren. Ihr Buch bietet nicht nur interessanten Lesestoff, sondern lässt ebenfalls viel Raum für eigene Entdeckungen. So wird beispielsweise den jungen Lesern eine Scheibe an die Hand gegeben, mit der sie in der Lage sind, Caesars Geheimcode zu knacken, den er für Militärbotschaften verwendete.

Dieser Römertag bildet den Abschluss der Woche der Alten Sprachen (17. 02. – 21. 02. 2014), in der Schüler und Öffentlichkeit immer wieder eingeladen waren, Antikes mit allen Sinnen zu genießen: Angefangen vom Erzählen griechischer Mythen über die vergnügliche Schüleraufführung der Cena uni parata, der lateinischen Variante des Dinner for one, über den Besuch der Mittelstufe des Kinofilms „Der Adler der neunten Legion“, der das römische Reich aus ungewohnter Perspektive kurz vor seinem Untergang zeigt, bis zum Vortrag „Eros und Thanatos – Griechische Lyrik aus drei Jahrtausenden“ von Christl und Peter Lobe, der auch eine breitere Öffentlichkeit zum Zuhören und Genießen einlud.

In dieser interessanten, unterhaltsamen und überaus vergnüglichen Woche war die Antike wirklich mit allen Sinnen zu begreifen!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern