‚Freiheit, Sicherheit. Und Kerwa. Und Bier.'

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – dieses im Rahmen eines von Schülern gehaltenen Einführungsvortrags verwendete Zitat des Bundesinnenministers Horst Seehofer löste beim diesjährigen Generationendialog der Schüler des Q11-Geschichtskurses von Herrn Dr. Ehlenberger und Bayreuther Senioren eine emotionale Debatte aus. Weswegen wir aber eigentlich im Kirchplatz-Treff zusammengekommen waren, war das Interesse am Thema ‚Heimat – was sie war, was sie ist, was sie werden kann‘. Moderiert von Gastgeberin Frau Heike Komma und Herrn Ehlenberger wurden Erfahrungen der älteren Generation, auch Geschichten von deren Eltern, und Meinungen der Schüler ausgetauscht. Die Gespräche darüber reichten von den Themen Dialekt und lokalem Essen bis zu den Herausforderungen der Integration der zwölf Millionen Vertriebenen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Auch die aktuelle Integrationsdebatte wurde durch die Frage nach Herkunft und Auffassung von Heimat eines Mitschülers mit türkischen Wurzeln bereichert. Dieser erzählte, dass er zwiegespalten sei und sich nirgendwo völlig zu Hause fühle, dass aber die Sprache ein wesentliches Instrument dafür sei, heimisch zu werden. Die Aussage, dass Heimat nicht an einen Ort, sondern mehr an ein Gefühl gebunden ist, fand allgemein große Zustimmung. Viele waren auch der Meinung, dass dieses Gefühl häufig an das soziale Umfeld gebunden ist und somit auch viel mit Integration zu tun hat.

Aber auch der lokale Dialekt oder bestimmtes Essen können ein „Heimatgefühl“ vermitteln. Einig waren sich aber alle darüber, dass Heimat nicht klar zu definieren ist, dass Heimat von jedem ganz individuell aufgefasst wird. Wichtig sei auch, dass der Begriff „Heimat“ und die damit verbundenen Emotionen nicht missbraucht werden, so warnten die Senioren einstimmig. Während sich die Generationen am 21.03.2018 vor allem über Heimat in der Vergangenheit und der Gegenwart austauschten, kamen sie bei einer zweiten Gesprächsrunde am 25.04. im Mehrgenerationenhaus, wo Frau Ute Semmelmann Gastgeberin war, näher auf Heimat in der Zukunft zu sprechen.

Kurze, von Schülern vorbereitete Inputs ließen uns von der Vergangenheit zu Zukunftswünschen und -prognosen des Heimatbegriffes überleiten. Wie wünscht man sich die Heimat für die Kinder, Enkel, Urenkel? Oft wurden bezahlbare und frei wählbare Wohnorte genannt. Sicherheit, Freiheit und Demokratie sind das Baugerüst für eine wünschenswerte Heimat, aber auch die Erhaltung der deutschen Sprache mit ihren Dialekten und der deutschen Traditionen. Hinzu kamen noch Anregungen zur Verbesserung der Integration der zu uns kommenden Menschen aus anderen Kulturen. Es wurden Parallelen gezogen, Geschehenes erzählt, damit wir, die nächste Generation, aus der Geschichte lernen können. Eines ist dabei wichtig: Integration ist ein Recht, zieht aber auch seine Pflichten nach sich. Dies funktioniert nur in einer ständigen Wechselbeziehung.

 

Beim Thema Heimat und Integration muss noch viel geschehen. Offen auf die Ankommenden zuzugehen, Vorurteile aus dem Weg räumen und Kompromisse zu finden, von beiden Seiten aus, ist elementar für eine funktionierende Gesellschaft. Dafür ist es ein guter Anfang, sich über solche Themen zu unterhalten, andere Meinungen zu hören und sich eine eigene zu bilden. Kurz: im demokratischen Miteinander werteorientierte Zukunftsentwürfe zu entwickeln und mit Leben zu erfüllen.

Deshalb bedanken wir uns im Namen des Q11 Geschichtskurses sehr herzlich bei Frau Komma, Frau Semmelmann und Herrn Dr. Ehlenberger für die Ermöglichung des Generationendialogs sowie bei allen Senioren, die so offen mit uns über dieses interessante und facettenreiche Thema Heimat sprachen.

Lisa-Miriam Jung, Beate Rottler, Justus Krämer

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern