Expedition nach Südamerika

Wenige Jahre nach seiner Zeit im Fichtelgebirge (1792 - 1796) und nach dem Tod seiner Mutter 1796 bricht Alexander von Humboldt 1799 zu seiner bereits lange geplanten, großen Reise nach Südamerika auf, die ihn schon bald weltberühmt machen sollte: Noch heute ist Humboldt vor allem in Südamerika der bekannteste deutsche Naturforscher und weltweit sind nach ihm die meisten geografischen Orte benannt.

So wollte sich auch das P-Seminar "Alexander von Humboldt" auf seinen Spuren in den südamerikanischen Dschungel begeben... Für die eigentlich geplante Expedition nach Südamerika reichten Zeit und Geld aber dann doch nicht aus, so dass die Gruppe mit einer Führung durch die Tropen-Gewächshäuser des Ökologisch-Botanischen Gartens vorlieb nehmen musste. Unter der sachkundigen Führung von Jana Messinger vom ÖBG konnten die P-Seminar-Teilnehmer zumindest ansatzweise in die tropische Atmosphäre von Humboldts Reise eintauchen und einige Vertreter der Vegetation kennen lernen, von der Humboldt zusammen mit seinem Reisegefährten Aimé Bonpland an die 60 000 Exemplare gesammelt, (3000 davon als Erstbeschreibung) beschrieben und gepresst nach Europa geschickt hatte.

Die Reise für das P-Seminar begann im Nebelwaldhaus, das die Lorbeerwald-Vegetation der Kanarischen Inseln zeigt. Auch Humboldt lernte auf Teneriffa u.a. den Drachenbaum kennen, für dessen Namen es verschiedenste Erklärungsversuche gibt, z.B. sein "Drachenblut": Ein Drachenbaum gibt bei Verletzungen einen zunächst farblosen Saft ab, der zu einem rotem Harz gerinnt, das fungizide und bakterizide Wirkung besitzt und daher zur Behandlung von Holz, aber auch als Zahncreme benutzt wurde.

Schon im nächsten Gewächshaus umfing die Teilnehmer die schwül-warme Luft eines Tieflandregenwalds, wie er Humboldt in Venezuela zum ersten Mal begegnete. Typische Pflanzen sind hier der Balsa-Baum mit seinen wolligen Samenfasern und seinem leichten und wasserabweisenden Holz, das heute noch im Modellbau und als Material für die Rotorblätter von Windkraftanlagen verwendet wird, und Vertreter der Brechnussgewächse, aus denen schon zu Humboldts Zeiten hochwirksames Pfeilgift wie Curare oder auch das früher als Rattengift verwendete Strychnin gewonnen wurden. Humboldt wies damals im Selbstversuch nach, dass Curare über einen (unverletzten) Magen-Darm-Trakt ohne Schaden vom Menschen aufgenommen werden kann.

Im anschließenden Mangrovenhaus beeindruckte eine Heliconie (die "Hummerschere") mit ihren farbigen Blütenschauapparaten, die Fledermäuse oder Kolibris zur Bestäubung anlocken. Ihre großen, wasserabweisenden Blätter werden von den Einheimischen auch zum Dachdecken oder zum Verpacken und Servieren von Speisen genutzt.

Auch die Paranuss ist eine tropische Frucht Südamerikas, die durch ihren hohen Fett-Gehalt von 60% für verschiedene Tiere interessant ist. Für ihre Verbreitung ist sie darauf angewiesen, dass ihre kugelförmigen, etwa handballgroßen, harten Fruchtkapseln von Agutis, einer südamerikanischen Nagetier-Gattung, aufgebrochen und überschüssige Samen (die Paranüsse) im Waldboden vergraben werden. Wegen ihres komplizierten Bestäubungsmechanimus' kann sie auch heute noch nicht kultiviert werden und wird daher in Brasilien und Bolivien aus Wildbeständen gesammelt.

Im Anschluss daran konnten die "Expeditions"-Teilnehmer das einzigartige Hochgebirgstropenhaus des ÖBG bestaunen, das Vertreter der tropisch-alpinen Vegetation wie Schopfpflanzen der von Humboldt erstbeschriebenen Gattung Espeletia beinhaltet. Diese sind durch ihre schopfartige Wuchsform mit stark behaarten Blättern an extreme Bedingungen mit großen Temperaturschwankungen zwischen nachts bis zu -15 °C und tagsüber bis über 20 °C optimal angepasst. Humboldt hielt sich monatelang in der alpinen Zone der südamerikanischen Anden auf und erreichte mit völlig unzulänglicher Ausrüstung und an der Höhenkrankheit leidend fast den Gipfel des damals höchsten bekannten Berges, des Chimborazos (knapp 6300 m üNN).

Auf dem Rückweg lernten die Teilnehmer noch die "Lulo" kennen, eine Verwandte der Tomate, die in Südamerika wegen ihrer aromatischen Früchte als Nutzpflanze sehr beliebt ist. Da sie kaum transport- und lagerfähig ist, ist sie in Europa allerdings noch nahezu unbekannt. In einem Forschungsprojekt der Universität Bayreuth untersucht man gerade ihre Kultivierbarkeit für den europäischen Markt in fränkischen Gewächshäusern.

Die letzte Station führte die Gruppe in das Trockentropenhaus. Hier steht ein großes Exemplar der Sisalagave aus Mexiko, die schon Humboldt wegen ihrer vielfältigen Nutzbarkeit als Baumaterial und zur Fasergewinnung "die nützlichste aller Pflanzen" genannt hatte. Aus anderen Agaven-Arten wird der mexikanische Tequila gebrannt.

Hier endete dann auch schon die lehrreiche, eineinhalbstündige Expedition des P-Seminars... Humboldt hatte für seine Reise "etwas" länger gebraucht und war mit einem Umweg über die USA nach über fünf Jahren erst 1805 nach Europa zurückgekehrt, wo er von der Öffentlichkeit als großer Entdecker begeistert in Empfang genommen wurde. Die Auswertung seiner Funde, Daten und Notizen nahm noch viele Jahre seines späteren Lebens in Anspruch.

Das P-Seminar "Alexander von Humboldt" hofft dagegen, bereits im kommenden Jahr zu Humboldts doppeltem Jubiläum einen kreativen Beitrag leisten zu können. Für weitere Inspiration hat der Ausflug in die Tropengewächshäuser auf jeden Fall gesorgt...

 

Unten folgende Bilder: Hannes Schmidt, Markus Lenk

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern