WELTERBE

Gold im Berg ...

Das Gold im Berg, im Goldberg über Goldkronach, lockte schon im Mittelalter zahlreiche Bergleute ins Fichtelgebirge. Später ließen die Ausbeuten dann jedoch zu wünschen übrig. Unser Schulgründer, Markgraf Christian Ernst, versuchte es im 17. Jahrhundert noch einmal mit einer Wiederbelebung des Bergbaus im nahen Goldkronach, war damit aber nur für wenige Jahre erfolgreich. Erst Ende des 18. Jahrhunderts - der letzte, kinderlose Markgraf hatte die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth an Preußen verkauft - interessierte sich die preußische Verwaltung wieder für den Bergbau im Fichtelgebirge... und versetzte den jungen "Assessor im preußischen Bergdepartement" Alexander von Humboldt ans Bergamt in Bayreuth mit dem Auftrag, den Bergbau im Bereich der Markgrafschaft zu inspizieren und gegebenenfalls wieder in Schwung zu bringen. Einer seiner zahlreichen, mehrfach wechselnden Wohnsitze in dieser intensiven Arbeitsphase zwischen 1792 und 1795 war das spätere Forsthaus Goldkronach, heute das Goldbergbaumuseum der Stadt.

Ein Grund für die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars "Alexander von Humboldt", dem Städtchen Goldkronach einen Besuch abzustatten. Klaus-Dieter Nitzsche begrüßte sie im Goldbergbaumuseum und führte sie durch die Ausstellung, die anschaulich und informativ viel Wissenswertes über die geologischen Hintergründe der Goldlagerstätten-Bildung im Fichtelgebirge, die mühsame und aufwändige Gewinnung des Goldes sowie seine Weiterverarbeitung (z.B. zu Blattgold), aber eben auch über die "Zielperson" des P-Seminars, Alexander von Humboldt, zu bieten hat:

Entlang der sogenannten "Fränkischen Linie" stoßen zwei tektonische Platten aufeinander, so dass es immer wieder zu Bewegungen der Erdschichten kam. In die entstehenden Risse diffundierte vor Jahrmillionen u.a. Gold, das von Quarzgestein umgeben wurde. Noch heute stecken (nach Schätzungen von Experten) wohl mehrere Tausend Tonnen reinen Goldes im Gestein der Berge hinter Goldkronach. Man kann sie jedoch nicht in Form größerer "Nuggets" finden, sondern meist nur als millimeterkleine "Goldflitter", früher durchaus auch in den Bächen der Umgebung, heute meist nur noch direkt in Quarzadern im Granitgestein. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchte man daher (wirtschaftlich erfolglos), den Goldbergbau in Goldkronach wieder in Gang zu bringen.

Heute würde der Gold-Abbau mit modernen Methoden eine vollständige Abtragung der Höhenzüge entlang der goldführenden Quarzadern bedeuten sowie die Ablagerung des anfallenden Abraums in den benachbarten Tälern... Außerdem muss das goldhaltige Gestein auch heute noch mit giftigen Cyaniden oder Quecksilber behandelt werden, um an das reine Gold zu gelangen... die giftigen Abwässer wiederum müssten mit ungeheurem Aufwand ortsnah zwischengelagert und aufbereitet werden. Daher wird Goldkronach wohl von weiterem Goldabbau "verschont" bleiben ... und es wird weiterhin in Ländern der Welt Gold gewonnen, wo das zwar bei niedrigeren Goldgehalten im Gestein, aber mit weniger Aufwand (oder auch weniger strengen Umweltauflagen - mit den daraus resutierenden Folgen für die dortige Umwelt) möglich ist.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen der mittelalterlichen Bergleute waren extrem. Die Arbeit im Berg war echte Knochenarbeit: Mit Eisenhämmern wurde das Gestein in schmalen, feuchtkalten Gängen aus dem Goldberg herausgeschlagen und mühsam ans Tageslicht befördert. Die Bergleute, die das Quecksilber-Gold-Gemisch rühren mussten, wurden wegen der giftigen Dämpfe in der Regel gerade mal zwanzig Jahre alt. Wegen mangelhafter technischer Vorkehrungen liefen viele Stollen und Schächte bald wieder mit Wasser voll und waren danach nicht mehr benutzbar.

Alexander von Humboldt kam 1792 frisch von der Bergakademie, befuhr im Auftrag der preußischen Regierung die Gruben und Bergwerke der Region, schätzte ihre Ergiebigkeit ein und machte sie durch das Abpumpen des Wassers und weitere abbautechnische Maßnahmen wieder nutzbar. So gelangen für mehrere Jahrzehnte wieder wesentlich höhere Ausbeuten. Humboldt interessierte sich auch für den Abbau anderer Erze und Bodenschätze und gab Anregungen für den Ausbau der fränkischen Glas- und Porzellanindustrie. Er erfand Geräte wie einen Lichterhalter und eine Beatmungsmaske, die die Gefahren des Untertage-Bergbaus für die Bergleute mindern sollten (wobei er beim Test seines Gerätes in Bad Berneck beinahe selbst ums Leben gekommen wäre). Durch die Gründung von Bergschulen und einer Bergkasse gelang es ihm, die Lebensbedingungen der Bergleute vor Ort zu verbessern. Kein Wunder, dass Alexander von Humboldt sich damit große Verdienste um den Bergbau in der Region und weit darüber hinaus erworben hat.

Gleichzeitig stellte er zahlreiche Beobachtungen an und führte Experimente in verschiedensten Wissenschaftsgebieten durch. "Mit Goldkronach bin ich besonders glüklich gewesen..." schreibt er 1794 an einen Freund. Hier sammelte er viele Anregungen, die ihn noch sein ganzes wissenschaftliches Leben hindurch beschäftigen sollten: "Ich habe so große Pläne dort geschmiedet..."

Als seine Mutter starb und er ein stattliches Erbe erhielt, quittierte er jedoch bald seinen Dienst - inzwischen als Oberbergrat - und brach wenige Jahre später (1799) zu seinem lang gehegten Traum, der großen Reise nach Amerika auf, die ihn schließlich weltberühmt machen sollte. Diesen "südamerikanischen" Spuren war das P-Seminar bereits wenige Wochen zuvor bei seiner eindrücklichen Expedition durch die tropischen Gewächshäuser des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth gefolgt.

In Goldkronach konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einen kurzen Blick in die Bibliothek des Goldbergbaumuseums, auf alte Karten und Literatur zur Geologie des Fichtelgebirges, zu mittelalterlichem Bergbau und natürlich zu Alexander von Humboldt werfen. Anschließend war das nächste Ziel der Spurensuche Schloss Goldkronach, wo das P-Seminar sich weitere Anregungen für sein eigenes Projekt zu Alexander von Humboldt im Jubiläumsjahr 2019 erhoffte. Doch dazu ein anderes Mal mehr...

Literatur-Tipp (auch im reader's corner unserer Schule!):

Holl, Frank; Schulz-Lüpertz, Eberhard: Alexander von Humboldt in Franken: Ich habe so große Pläne dort geschmiedet..., Röttenbach, 2012

Unten folgende Bilder: Hannes Schmidt, Markus Lenk

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern