WELTERBE

Gladiatoren, Götter und Genießer

Eine rundum gelungene Veranstaltung war der diesjährige Römertag am GCE. Zahlreiche Gäste nahmen teil, darunter viele Kinder, die einmal antike Luft schnuppern wollten. Dazu kamen viele Lateinschüler unseres Gymnasiums sowie alle Lehrer – die meisten stilecht in römische Gewänder gekleidet.

„Mir haben am besten die Gladiatoren gefallen, weil die Kämpfe so spannend und so echt waren!“ sagt Max (9) aus Bayreuth. Tatsächlich wirkten die Mitglieder der Gruppe „Gladiatores Berolinenses“ teilweise furchteinflößend, zumal die Kämpfe nicht einstudiert, sondern spontan und somit wirklich „live“ waren. Beeindruckend war auf jeden Fall die Authentizität ihrer Vorführung – hatten sie doch bei ihrer experimentellen Arbeit anhand der antiken Quellen für historisch möglichst exakte Detailtreue gesorgt. Diese reicht von der genauen Ausrüstung und ihrer Herstellung über die Kampfverläufe bis hin zu den wirklichkeitsgetreuen lateinischen Kommandos. Und am Ende durften noch zwei Jungen ihren jeweiligen Favoriten zum persönlichen Duell herausfordern und ohne eigenen Schutz – nur mit dem Schwert – ihre gerade antrainierten Finten zeigen. Ursus und Germanicus wehrten sich tapfer – sanken aber schließlich beide geschlagen auf den Boden der Sporthalle und der Sieg ging an die umjubelten kleinen Helden!

Ebenfalls vor quasi ausverkauftem Haus fand in der Sporthalle auch die Hadesshow statt. „Das war ziemlich unheimlich!“ bestätigt Maria (6). Einige kleinere Gäste suchten sicherheitshalber den Blickkontakt zu Mama, weil die düsteren Erinnyen auf ihrer Rachetour so überzeugend schaurig wirkten. Mit großem Schwung und fetziger Musik stellten sich dem in der Unterwelt weilenden Aeneas verschiedene antike Gottheiten, Helden und Büßer vor. Bis ins Letzte einstudiert, wurde eine perfekte, informative und kurzweilige Vorstellung dargeboten.

In einem zweiten Durchgang fand dann sogar eine in die moderne Zeit transferierte Umsetzung statt – so hatte z. B. der Sänger Orpheus nun die Kithara mit einer E-Gitarre vertauscht und Sisyphos wälzte keinen Felsen mehr, sondern musste mit einem Wischmopp seine end- und sinnlose Arbeit im Hades verrichten.

Wer es im Gedränge rechtzeitig in das Megaron schaffte, konnte dort ein „Intro“ zur aktuellen Theaterarbeit an Friedrich Dürrenmatts „Romulus der Große“ erleben. Mit großem Aufwand, perfekt inszenierter Darstellung und Bewegung sowie eindrucksvollem Bühnenbild boten die Ausschnitte einen guten Einblick in die absurde Kluft zwischen Macht und Persönlichkeit – hat doch der letzte römische Kaiser Romulus Augustulus angesichts des nahenden Untergangs seines Imperiums in erster Linie sein Frühstücksei im Sinn, das er von einem seiner selbst gezüchteten und nach seinen Vorgängerkaisern benannten Hühner erwartet. Die Theatertruppe „Actores Ernestini“ arbeitet weiter an dem Stück und wird es am 10. und 11. April (jeweils 19:30 Uhr) im Zentrum aufführen.

Dicht belagert waren die zahlreichen Stände und Attraktionen: Der Schmink- und Frisiersalon, die Bastel- (antike Sonnenuhr, Mosaike, Schwerter, Legionärshelm, Rundmühle) und Spielstände, der Archäologieparcours, die Seifenwerkstatt, der Kolosseumsbesuch in 3D mit Hilfe von VR-Brillen, der Fotostand mit stilechter Einkleidung der kleinen Besucher, der Bücherstand, die Taberna mit römischen Speisen, der Kessel mit Asterix-Zaubertrank, die Gladiatoren-Workshops, das Römerquiz und und und…

Und manch einer konnte auch erste Lateinkenntnisse aufschnappen und anwenden. Tibi gratulamur!

 

Alle Beteiligten hatten eifrig vorbereitet und halfen mit höchstem Engagement stundenlang mit, um die Gäste zu versorgen und zu unterhalten. Auch das Abbauen und Aufräumen geriet dank der zuverlässigen Mithilfe vieler Teilnehmer zu einem flotten und gemeinschaftsfördernden Event.

 

„So ein Römertag sollte noch öfter stattfinden!“ Na ja, lieber Rufus – der muss aber auch vorbereitet und durchgeführt werden! Dann kommst du halt im nächsten Jahr wieder, wenn es wieder heißt: „Venite et spectate! – Kommt und schaut!“ Und dann werdet ihr wieder sehen, wie lebendig die Antike ist!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern