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[lautschrift] Kein Zimmer voller Farbklekse

Kein Zimmer voller Farbklekse

Interview mit Alina Seidel

Wie lang hast du für dieses Bild gebraucht?

Insgesamt saß ich ungefähr vier Monate daran. Man muss allerdings dazu sagen, dass ich manchmal auch wochenlang Pausen gemacht habe oder pro Tag nur zwei Stunden gemalt habe. Das Malen an sich ging relativ schnell.

Wann hast du angefangen?

Zu Beginn der letzten Sommerferien, also Ende Juli.

Wie bist du auf die Idee gekommen, so ein großes Bild zu malen?

Auf die Idee, das gesamte Treppenhaus zu bemalen und Spanplatten aufzuhängen, kommt, glaube ich, kein Schüler. Es war die Idee von Herrn Full.

Wie viel Farbe hast du dafür gebraucht?

Wir haben im Hagebaumarkt zehn große Tuben Volltonfarbe in jeweils unterschiedlichen Farbtönen gekauft, davon habe ich alle fast aufgebraucht, mit Abstand am meisten benutzt habe ich das Weiß.

Wie hast du den Hintergrund gemalt?

Volltonfarbe auf Spanplatte

Hast du das Bild allein gemalt?

Ja, das habe ich. Den letzten Schliff hat dem Bild allerdings Herr Achenbach gegeben, der nach dem Anbringen im Treppenhaus noch einmal ein paar durch den Transport der Platten abgenutzte kleine Ecken schwarz nachbemalt hat.

Wie viel Platz hast du gebraucht?

Das Bild war zu groß, um es im Ganzen zu bemalen. Ich habe Platte für Platte einzeln bemalt, das hat also nicht allzu viel Platz gebraucht.

Wie sieht jetzt dein Zimmer aus?

Nicht aufgeräumt, aber auch nicht voller Farbkleckse. Wie hätte ich denn in meinem Zimmer so große Spanplatten bemalen sollen? Oder andere Frage, wie hätte ich in meinem Zimmer 12 Spanplatten deponieren sollen?

Wo hast du das Bild dann gemalt?

In meinem Zimmer also nicht! Teilweise habe ich es bei mir zuhause im Schuppen bemalt. Bei gutem Wetter habe ich ein paar Platten rausgetragen und draußen gemalt und den Rest habe ich in der Schule fertig gemacht - und zwar im alten Kunstsaal im Keller.

Wer hat dir den Auftrag gegeben?

Herr Full hat herausgefunden, dass ich gerne zeichne, und kam auf die Idee, mit mir das Treppenhaus neu zu gestalten. Das hat er mit Herrn Eisentraut abgesprochen, der mich dann gefragt hat, ob ich dabei wäre.

Hattest du Vorgaben?

Nein, ich durfte das machen, wie ich will. Ein paar Klassenkameraden waren aber etwas enttäuscht, dass ich diese Freiheit nicht etwas „lustiger“ genutzt habe.

Hast du Inspiration bei anderen Künstlern gesucht?

Bei keinen bestimmten Künstlern, aber manchmal scrolle ich, bevor ich zeichne, ein bisschen durch Künstlerseiten auf Instagram. Wenn mir da ein paar Werke gefallen, bekomme ich dann meistens selber Lust, etwas zu tun.

Wie bist du auf das Thema gekommen?

Zuerst wollte ich, dass das Bild ästhetisch aussieht. Am ästhetischsten ist meiner Meinung nach die Natur. Eigentlich geht es in den meisten Bildern, die ich für mich selbst male, um Natur. Außerdem kann man mit dem Thema sowohl eine „neue Welt“ erschaffen, als auch die Gesellschaft kritisieren, weil die Natur zugrunde geht. Ehrlich gesagt habe ich aber wirklich einfach drauflosgezeichnet und dann kam genau das Thema dabei raus, weil es mich einfach am meisten beschäftigt.

Was hältst du von unserer Interpretationshypothese, dass du dich selber gemalt hast?

Nicht viel, sorry Leute! Ich bin, soweit ich weiß, nicht Mutter Erde und auch nicht Mutter Natur und anders sehe ich sowieso aus. Die Frau im Bild ist wirklich an niemanden persönlich angelehnt, da habe ich einfach einen Frauenkopf von der Seite gemalt. Von Selbstporträts halte ich persönlich auch nichts.

Welche Bedeutung hat die Kugel mit Inhalt?

Die Kugel steht für die Erdkugel, welche die Natur in der Hand hält. Darin befindet sich ein Schiff, welches uns Menschen metaphorisch darstellt. Wenn die Natur es also Leid ist, sich noch weiterhin unseren Massenkonsum und Lebensstil anzutun, schüttelt sie ein wenig ihre Hände und das Schiff geht unter. Wie man sieht, ist es sogar kurz davor. Ich wette, die Passagiere ahnen von nichts.

Warum „weint“ die Blume?

Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass die Blume eine Metapher für die Verletzlichkeit der Natur ist. Das wäre dann richtig tiefgründig. Wäre schlau gewesen, ist aber nicht so. Wie man auf dem Bild sieht, werden die Tropfen immer größer. Das ist ja bekanntlich erst einmal unmöglich. Die Tropfen sollen daher grundsätzlich nur veranschaulichen, dass alles um die Kugel herum nicht irdisch ist und keinen Gesetzen folgt. Es sind eher Tautropfen als Tränen, die immer größer werden, weil die Natur letztendlich mächtiger ist als wir und unsere Erde und machen kann, was sie will.

Vielen Dank für das Interview!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern