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[AvH] #16 Humboldt und das Porzellan

Anstoß zur Gründung eines oberfränkischen Industriezweigs

Neben der Inspektion des Bergbaus war Humboldts Auftrag auch die Begutachtung von Produktionsbetrieben im Auftrag der neuen preußischen Regierung, wofür er „[…] zuvor auch eine Art Praktikum in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin absolviert“ hatte, das ihm die nötigen Grundkenntnisse zu Porzellanrohstoffen und ihrer Verarbeitung verschafft hatte. „Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt kann durchaus als einer der Wegbereiter der Porzellanindustrie in Oberfranken bezeichnet werden. […] Unter anderem wurde die heute noch existierende „Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau“ [1794 als heute älteste bayerische Porzellanfabrik] unter Mitwirkung Alexander von Humboldts gegründet. […] Er stand der Manufaktur durchaus positiv gegenüber, vor allem weil sie den Menschen in einer armen Gegend Arbeit gebracht hatte. Allerdings sorgte sich Alexander von Humboldt auch um den Raubbau in den Wäldern wegen des großen Holzbedarfs.“ [Böckler, S. / Humboldt-Kulturforum Goldkronach über das Symposium „Alexander von Humboldt und das Porzellan“, Goldkronach, 2016]

Obwohl in Tettau zeitweilig bis zu 600 Arbeitskräfte beschäftigt waren und nach Angaben der Porzellanfabrik Tettau noch 2010 / 2011 ein spezielles Hartporzellan als „Weltneuheit“ erfunden wurde, soll „Königlich Tettau“ wohl noch 2019 geschlossen werden [www.infranken.de].

Ende des 18. Jahrhunderts soll Humboldt auch angeregt haben, die Produktion von Imitaten des wertvollen Meissner Porzellans auf preiswerter produzierbare Gebrauchskeramik umzustellen. So wurden beispielsweise in großen Stückzahlen sog. „Türkenbecher“ hergestellt, die damals in die Türkei exportiert wurden [A. Roßner, Vortrag am 3.4.19].

Auch wenn die globale Konkurrenz inzwischen groß ist, zählt Oberfranken mit seinen namhaften Herstellern hochwertigen Porzellans immer noch zu den europäischen Zentren der Porzellanherstellung. Diese technische und künstlerische Bedeutung kann man u.a. in den Museen des Porzellanikons in Selb und Hohenberg an der Eger nachvollziehen. Entlang der Porzellanstraße gelangt man „von der Wiege der nordbayerischen Porzellanproduktion im Fichtelgebirge durch das Stiftland und den Oberpfälzer Wald, die Fränkische Schweiz und den Steigerwald über das Obere Maintal-Coburger Land bis in den Kaiserwald im benachbarten Tschechien […]“.

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