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[AvH] #18 Der Magnetberg im Fichtelgebirge

Als „die größte Entdeckung meines Lebens“ beschrieb der damals noch junge Alexander von Humboldt im November 1796 in einem Brief an seinen Freund Karl Freiesleben den Besuch am Haidberg bei Zell im Fichtelgebirge.

Der Haidberg besteht zu einem großen Teil aus Serpentinit, einem metamorphen, graugrünen Gestein, das durch Vulkanismus an die Erdoberfläche gebracht wurde. Wegen seines hohen eisenhaltigen Magnetit-Anteils zeigt er magnetische Eigenschaften, lenkt Kompassnadeln je nach Position in verschiedene Richtungen und wurde daher in Forscherkreisen als Magnetberg bekannt.

„[…] Legenden um magnetische Berge gab es schon im Altertum. Auch in mittelalterlichen Ritterepen ist von einem Magnetberg mitten im Ozean die Rede, der den Schiffen, die sich ihm nähern, die Eisennägel entzieht, sodass sie auseinanderfallen und mit ihren Besatzungen jämmerlich untergehen. […]

Die Begeisterung, mitten in Franken einen solchen Magnetberg entdeckt zu haben, spricht aus Humboldts Texten. […] Bereits in seiner ersten Mitteilung rief Humboldt die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu auf, bei der Klärung des Phänomens mitzuwirken. Er stellte dafür Gesteinsproben zur Verfügung […] Dabei demonstrierte Humboldt einmal mehr, wie sich Wissenschaft und soziales Engagement vereinen lassen: [...]“ Die dafür geforderte Abnahmegebühr stellte er zur Unterstützung verarmter Bergleute zur Verfügung.

Mehrmals äußerte sich Humboldt 1797 in verschiedenen Zeitschriften wie dem Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung oder in den Chemischen Annalen für die Freunde der Naturlehre, Aerzneygelahrtheit, Haushaltungskunde und Manufacturen zu dem von ihm entdeckten Phänomen.

„Eine physikalische Theorie des Magnetismus existierte zu dieser Zeit noch nicht, selbst ein quantitativ exaktes Messverfahren war noch nicht gefunden. Aus diesem Grund verlief die Diskussion letztlich ohne schlüssiges Ergebnis im Sande. Der Erdmagnetismus allerdings wurde eines der großen Themen seines Lebens. Bei allen Expeditionen und Reisen führte Humboldt ein ganzes Arsenal von Kompassen, Magnetnadeln, Deklinatorien und Inklinometern mit sich, um überall Richtung und Intensität des Erdmagnetfeldes zu messen. Mit seinem Kollegen [dem Mathematiker und Geodäten] Carl Friedrich Gauß initiierte er später ein weltweites Netz von Messstationen zur Überwachung des Erdmagnetismus, das bis heute besteht. […]“

(aus: Holl & Schulz-Lüpertz 2012, S. 114 f.)

Heute ist die magnetische Anomalie des Haidbergs durch den Serpentinit-Abbau vergangener Jahre (für Straßenschotter) nur noch an manchen Stellen messbar. Der Steinbruch ist inzwischen geschlossen und als Naturschutzgebiet geschützt. Ein Naturlehrpfad „Humboldtweg“ führt über den Bergrücken mit 697 m ü. NN und erinnert an Humboldts wichtige Untersuchungen, die später wichtige Erkenntnisse über das Erdmagnetfeld anregten.

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