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[AvH] #20 Ich packe meinen Koffer...

Bis Alexander von Humboldt endlich seine lange ersehnte Reise antreten konnte, sollten noch ein paar Jahre vergehen. Das lag unter anderem an Humboldts gründlichen Reisevorbereitungen, der langwierigen und kostspieligen Suche nach den geeigneten Messinstrumenten (die auch vorher unter Realbedingungen getestet und eingerichtet werden mussten) und letztendlich den politischen Verhältnissen in Europa, die nicht alle Reiseziele zuließen. Neben praktischen anatomischen und elektrischen Studien erweiterte er seine botanischen, zoologischen und geologischen Kenntnisse und ließ sich von Fachleuten im Umgang mit geodätischen, geophysikalischen und astronomischen Messinstrumenten schulen. „Er verbrachte einen kalten Winter in der Mozartstadt Salzburg, wo er die Höhe der nahen österreichischen Alpen ausmaß und bei eisigen Regen seine meteorologischen Instrumente testete und er, wenn es gewitterte, seine Instrumente in die Luft hielt, um die Elektrizität in der Atmosphäre zu bestimmen.“ (aus: Wulf 2018, S. 66) Schon bei seinen damaligen Messversuchen korrigierte er dank seiner präzisen Arbeitsweise manche bisher falsch vermerkten Messwerte. (nach: Holl & Schulz-Lüpertz 2012, S. 121 f.)

„Humboldts wissenschaftliche Leistungen waren in erster Linie die Leistungen eines Entdeckers mit dem Messinstrument.“ (P. Honigmann, in: Richter, W., Engshuber, M., 2014) Von manchen Humboldt-Experten wird Alexander von Humboldt daher (mit einem Augenzwinkern) als „Instrumenten-Fetischist“ (U. Päßler, Vortrag 5.4.19) bezeichnet. Auf seiner Amerika-Reise hatte er mindestens 35 teure Messinstrumente dabei, was sich aus ausführlichen „Einkaufslisten“ für Einkäufe in Wien sowie aus präzisen Aufstellungen der Verkäufe seiner Messinstrumente in Mexiko vor der Rückkehr nach Europa ermitteln lässt.

Nach Richter & Engshuber verwendete Humboldt u.a. folgende Messgeräte:

  • Chronometer zur Bestimmung von Zeit, Erdmagnetfeld, Längen- und Breitenmessungen
  • Punktierchronoskop (= Stoppuhr; präziser messende Quarzuhren wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführt)
  • Thermometer
  • thermometrische Sonden  (auch zur Probenentnahme in unterschiedlichen Tiefen von Gewässern, damit gelang ihm die Entdeckung des heute nach ihm benannten Humboldtstroms an der Westküste Südamerikas)
  • Theodolit zum Anpeilen von Geländemarken
  • Sextant zur Ortsbestimmung und Navigation
  • Metrisches Eichmaß („Meter-Normal“, vermutlich eine Messkette aus 10 cm langen Eisen-Stäben, die an den Enden durch Metallringe verbunden waren; durch Humboldt in Amerika bekannt gemacht)
  • Hypsometer (= Siedebarometer) zur barometrischen Höhenmessung (dabei wurde reines Wasser mit einem Spiritusbrenner erhitzt, nach Erreichen einer konstanten Temperatur, gemessen mit einem Präzisions-Maximum-Thermometer, konnte der Luftdruck und mit der barometrischen Höhenformel die Ortshöhe berechnet werden)
  • Kompass
  • Elektrometer und galvanische Apparate zur Messung der Luftelektrizität (besonders interessant bei Gewittern) und für elektrische Untersuchungen auch an Tieren (u.a. Zitteraale)
  • Deklinations- und Inklinationsbussolen (Richtungsmessgeräte mit Peilvorrichtung) zur Bestimmung von Magnetfeld-Abweichungen
  • Magnetometer zur Bestimmung der Intensität des Erdmagnetfelds
  • Oszillationsapparat zur Bestimmung der Auslenkung einer Kompassnadel

Die präzise Arbeit mit vielen dieser Messinstrumente war sehr aufwändig, weil man dabei weitere Faktoren wie Umgebungstemperatur, Meereshöhe / Luftdruck, Ausdehnungskoeffizienten der zugehörigen Geräte usw. in zusätzlichen Berechnungen mit Barometerformeln und trigonometrischen Berechnungen berücksichtigen musste. Neben den Messungen und Berechnungen mit Messinstrumenten führte Humboldt oft noch chemische und physikalische Reaktionen zur Bestimmung weiterer Messwerte durch.

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