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[AvH] #29 Das Klima ändert sich...

Mitte November 1799 verlassen Humboldt und Bonpland Cumaná und reisen mit einem kleinen Schiff nach Caracas. Doch auch dort hält es sie nicht lange: Am 7. Februar 1880 ziehen sie auf Maultieren weiter ins Landesinnere. Nach einem siebentägigen Ritt durch die Berge erreichen sie das Tal von Aragua.

Am Valenciasee in der fruchtbaren Region um Aragua hört Humboldt von den Einheimischen, dass der Wasserspiegel des zuflusslosen Sees in den vergangenen Jahrzehnten stark gefallen sei. Humboldt stellt weitere Beobachtungen an, vergleicht Daten zur Verdunstung von Gewässern weltweit und kommt zu dem Schluss, dass die Abholzung der umliegenden Wälder zur Gewinnung von Ackerland durch die Bauern die Ursache für das Absinken des Wasserspiegels gewesen sein musste: Durch den Verlust des Waldes war der Boden schutzlos der Erosion ausgeliefert und wurde bei Starkregenereignissen abgeschwemmt, auch wertvolles Ackerland wurde dadurch dauerhaft zerstört. Die betroffenen Flächen verloren ihre Fähigkeit zur Wasserspeicherung, die Luft darüber wurde dauerhaft trockener und wärmer. Da der Valenciasee keine Zuflüsse hatte, führte die zunehmende Verdunstung des Seewassers zu einer starken Reduktion der Wasserfläche und zum dauerhaften Trockenfallen weiter Uferbereiche. (nach: Wulf, S. 82 ff.) Ähnliche Beobachtungen macht Humboldt auch an anderen Stellen der Erde.

Schon in seiner Zeit im Fichtelgebirge war ihm die rücksichtslose Rodung des Waldes als Rohstoffquelle für den Bergbau aufgefallen und er hatte Vorschläge gemacht, wie man den enormen Holzverbrauch verringern könnte. „Dieses Problem war nicht neu, wurde aber stets eher aus ökonomischer und nicht aus ökologischer Sicht betrachtet. Die Wälder lieferten den Brennstoff für die Herstellung vieler Produkte, außerdem war das Holz nicht nur ein wichtiges Baumaterial für Häuser, sondern auch für Schiffe, und die waren wiederum ein Eckpfeiler der Kolonial- und Seemächte. Holz war das Erdöl des 17. und 18. Jahrhunderts […]“ (aus: Wulf, S. 85)

„Am Valenciasee in Venezuela betrachtete Humboldt die Abholzung nicht mehr allein unter rein wirtschaftlichen Aspekten, sondern sah sie in einem größeren Zusammenhang.“ (aus: Wulf, S. 86) Er erkannte dabei auch die langfristigen und globalen Auswirkungen. „Humboldt beschrieb, wie sich das Klima durch das Verhalten der Menschen ändert, und wurde damit zum Vater der Umweltbewegung.“ (aus: Wulf, S. 86)

Humboldt erkennt also schon zu seiner Zeit ökologische Probleme, deren Auswirkungen inzwischen globale Dimensionen erreicht haben… an deren Lösung aber immer noch nicht intensiv genug gearbeitet wird. Und er beschreibt sie nicht nur wissenschaftlich-neutral, sondern leitet daraus Forderungen für einen schonenderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen ab.

Umso wichtiger, dass heute Klimaschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt einen größeren gesellschaftlichen Stellenwert erhalten: "Klimaschutz statt Eigennutz" wäre heute vermutlich auch eine Forderung Humboldts.

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