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[AvH] #33 Eine Flussfahrt, die ist lustig...

 „Als Humboldt und Bonpland ihre große Reise den Orinoco hinauf fortsetzten, paddelte ihre indianische Mannschaft häufig mehr als zwölf Stunden in glühender Hitze. Die Strömung war stark. […]“ (aus: Wulf, S. 97)

An einem Tag erfasste eine heftige Sturmböe das Boot: „Das eine Ende des Kanus begann zu sinken, und Humboldt gelang es gerade noch, sein Tagebuch zu packen, aber die Bücher und getrockneten Pflanzen wurden ins Wasser geschleudert. Er war sicher, dass sie alle umkommen würden. In dem Fluss wimmelte es von Krokodilen und Schlangen, und die ganze Mannschaft geriet in Panik – mit Ausnahme von Bonpland, der gelassen das Wasser mit ausgehöhlten Kürbissen aus dem Boot schöpfte. […] Am Ende verloren sie nur ein Buch und konnten ihre Pflanzen und Tagebücher trocknen. Ihr Steuermann machte sich über die weißen Männer lustig […], die sich mehr um ihre Bücher und Sammlungen zu sorgen schienen als um ihr Leben.“ (aus: Wulf, S. 98) - Umso erstaunlicher, wenn man sich klar macht, dass Alexander von Humboldt Nichtschwimmer war…

Doch ganz entspannt hat auch Humboldt diese Situation nicht erlebt. Er schrieb dazu in seinem Tagebuch: „Wir glaubten uns verloren, doch behielten wir alle Besinnung. Es ist aus, dachte ich. […] schnell, schnell, desto leichter der Tod. Ich war mehr gerührt als erschrocken. Bonpland sehr edel. Ne craignez pas, mon ami, nous nous sauvons. Die Rückkehr zum Leben war sehr, sehr schön. Sie werden diesen Palmsonntag des Jahres 1800 nie vergessen.“ (aus: Biermann, S. 160)

An den Stromschnellen von Atures, die über mehrere Kilometer durch einen querenden Zug von Granitblöcken und Felsbrocken gebildet werden, muss das Boot entladen werden. „[…] Das Boot selbst wird von acht Indios durch die Stromschnellen gebracht – eine gefährliche Arbeit von drei Tagen. Wo es nicht weitergeht, weil die Felsen zu hoch sind oder das über die Klippen stürzende Wasser zu heftig, wird das Boot an Land geholt und über kleine Baumstämme und Äste, die man unterschiebt, bis zu einer Stelle gezogen, wo der Fluss erneut befahrbar ist. Drei Tage später besteigen sie die Piroge wieder, glücklich, einem vom Tosen der Katarakte und von den betäubenden Insektenwolken unerträglich gemachten Landstrich zu entkommen – trotz seiner unglaubliche Schönheit.“ (aus: Biermann, S. 164 f.)

Durch ihre rege Sammeltätigkeit reichte bald auch der Platz in dem schmalen Boot nicht mehr aus: „Ihr Boot war zu klein, deshalb bauten sie eine Plattform aus geflochtenen Zweigen, die über den Rand hinausragte, um ihre Instrumente und Truhen unterbringen zu können. Sie hatte ein Strohdach und bot zusätzlichen Raum, war aber sehr eng. Viele Tage lagen Humboldt und Bonpland auf dieser Plattform, während ihre Beine ungeschützt bösartigen Insekten, Regen oder brennender Sonne ausgesetzt waren, Sie hatten das Gefühl, lebendig begraben zu sein, notierte Humboldt in seinem Tagebuch. Für einen rastlosen Menschen wie ihn war das eine Tortur.“ (aus: Wulf, S. 99)

Insgesamt waren sie 75 Tage auf dem Fluss unterwegs.

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