#GCE goes digi

Ist das Kulturgut – oder kann das weg?

Irgendwann muss auch in einer Sammlung mal aufgeräumt werden. Für die Biologie-Sammlung des Gymnasium Christian-Ernestinum war es in den Herbstferien so weit.

Seit Jahrzehnten verstauben unzählige historische Präparate und exotische Exponate leider ungenutzt in den Vitrinen der Bio-Sammlung, weil der Lehrplan nichts mehr von ihnen wissen will (oder auch noch nie wollte), sie für einen Unterrichtseinsatz gar nicht geeignet oder mehrfach vorhanden sind. Biologen sind Jäger (Teilweise richtig echte mit Jagdschein!) und Sammler (Gab es da nicht mal eine Kollegin, die regelmäßig im Mittelmeer Tauchurlaub machte?)… und wo kamen die Schätze hin, wenn die häuslichen Vitrinen aus allen Nähten platzen? … Doch auch die Bio-Sammlung ist kein unbegrenzter und ewig sicherer Hort für Biologen-Funde: Der Zahn der Zeit und diverse Käfer nagten bereits so manchen Eiweißrest von Knochen und Fellen. Einige Vogelpräparate hatten bereits kräftig Federn gelassen oder gar den Kopf verloren und manches Hunde- oder Katzen-Skelett ist inzwischen so klapperig, dass es selbst zu Halloween keinen guten Eindruck mehr machen würde. Und in Zeiten neuer Medien schleppt die Bio-Lehrkraft oft kein totes Tier mehr in den Unterricht, wenn es lebende in Bewegung und HD-Qualität als Film zu sehen gibt…

So stellte sich die große Frage: Soll / kann / muss das alles weg? – Museal veranlagten Menschen blutet bei solchen Entscheidungen das Herz… Andererseits ist eine Schule kein Museum (… und selbst Museen machen sich heute Gedanken über „Entsammeln“ und „Deakzession“…). Und Neues braucht auch seinen Platz.

Auch am GCE hatten die Bio-Sammlungsleitungen die Frage der Entrümpelung lange (schon mehrere Generationen) vor sich hergeschoben. Für den jährlich aufgestellten Müllcontainer auf dem Schulparkplatz waren ihnen viele Exponate jedoch zu schade. Aber wer kümmert sich um die eingestaubten Reste jahrzehntelanger (nicht immer professioneller) Sammlertätigkeit?

In diesem Jahr fand sich endlich eine Lösung, die den historischen Objekten noch eine gewisse Überlebenschance ermöglichen sollte: Die Präparatoren des Naturkundemuseums Coburg erbarmten sich der Bio-Sammlung unserer Schule. Etwa die Hälfte der historischen Präparate, manche schon über hundert Jahre alt, wurden mit einem Kleintransporter nach Coburg abtransportiert und finden nun im Depot des Naturkundemuseums Coburg ein neues Zuhause, können dort restauriert und an den richtigen Stellen möglicherweise auch wieder ausgestellt werden.

Und keine Sorge: Im Bio-Saal balzen immer noch die Auerhähne und das Krokodil hängt weiterhin im Aquarienzimmer unserer Schule… Die in der Bio-Sammlung verbleibenden (immer noch zahlreichen, schönen, teilweise auch historischen) Objekte bekommen mehr Raum und können (nach einer noch anstehenden Neuordnung und Inventarisierung) von den Kollegen hoffentlich besser gefunden und dann auch einfacher für den Unterricht genutzt werden. Und bei Bedarf einer Restauration oder Reparatur besteht nun die Möglichkeit einer Kooperation mit dem professionellen Restauratoren-Team des Naturkundemuseums. Vielen Dank für die Unterstützung nach Coburg!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern