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Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert

Seit über 70 Jahren hat die UN den Auftrag, weltweiten Frieden zu sichern. Doch wie kann gewährleistet werden, dass dies gelingt? Welche Sicherheitsfaktoren machen einen funktionierenden Staat aus? Was ist die Hauptursache weltweiter Konflikte? Und welche Herausforderungen bietet der lautlose Krieg im Cyberspace?

Zu dieser aktuellen Thematik hielt Oberleutnant Dhany Sahm am 8.10.2019 einen Vortrag, in dem er die Schüler und Schülerinnen der Q11 über die gegenwärtige Sicherheits- und Migrationsproblematik informierte und sie auf die Komplexität internationaler Politik aufmerksam machte.

Nachdem Herr Sahm sich kurz vorgestellt hatte, begann er den Vortrag interaktiv mit einem Brainstorming zum Thema Sicherheit. Die Schüler durften frei Begriffe assoziieren und sich anschließend überlegen, wie sicher sie sich in Deutschland fühlen.

Wichtige Grundpfeiler eines funktionierenden Staates sind eine intakte Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit. Durch das Grundgesetz sollen die allgemeinen Grundrechte sichergestellt und Schutz vor Staatswillkür gewährleistet werden. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, können sich die Machthaber über das Recht hinwegsetzen und die Bürger sind staatlichen Übergriffen schutzlos preisgegeben.

Anschließend erläuterte Herr Sahm, wie es zu Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen kommt. Ursachen für Krieg sind häufig Territorial- und Ressourcenkonflikte. Eine große Bedeutung kommt dabei nicht nur Edelmetallen, Öl oder Uran zu, sondern vor allem Wasser. Wasserknappheit führt zum Rückgang nutzbarer Ackerfläche, was gerade bei steigender Bevölkerungszahl zum Problem wird. Ressourcenknappheit, aber auch Naturkatastrophen führen in der Bevölkerung zu Spannungen, die sich in gewalttätigen Konflikten entladen können. Häufig kommt es zu unkontrollierter Verbreitung von Waffen, wodurch die Konflikte eskalieren und der Staat weiter zerfällt. Die Folgen sind eine hohe Kriminalitätsrate, Terrorismus und Piraterie.

Als letzter Ausweg bleibt für viele nur die Flucht. Weltweit gibt es laut der UN heute etwa 71 Millionen Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen. Die meisten davon sind Binnenflüchtlinge, einige fliehen ins Nachbarland und nur 3% nehmen die oft kostspielige und gefährliche Flucht in ein Drittland auf sich; von ihnen wiederum zieht nur ein Teil in Richtung Europa. Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind somit nur ein winziger Bruchteil der Gesamtzahl. Flüchtlingscamps, beispielsweise in Jordanien und der Türkei, bieten zwar zunächst Schutz, aber kaum weitere Perspektiven, auch die Lebensbedingungen sind sehr beschränkt.

Das Militär hat die Möglichkeit, vorübergehend für innere und äußere Sicherheit zu sorgen, langfristig müssen jedoch die Ursachen von Krieg bekämpft werden. Aufbauhilfen und finanzielle Unterstützung im politischen Rahmen können zum Beispiel dabei helfen, in Krisengebieten wieder funktionierende Staaten zu bilden. Hilfe zur Selbsthilfe lautet dabei die Devise, wie Herr Sahm betonte. Ein Beispiel für diesen Ansatz ist die ISAF, eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter Führung der NATO im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001–2014.

Mit fortschreitender Digitalisierung hat sich auch die Art der Kriegsführung verändert. Das Darknet bietet neuen Raum für illegalen Waffen- und Menschenhandel. Immer häufiger kommt es zur terroristischen Cyberangriffen und der gezielten Erzeugung von Falschmeldungen (Informationskrieg). All dies führt zu einer hybriden Kriegsführung, die neben offener Gewalt verdeckte Methoden und Meinungsmanipulation umfasst.

Am Ende des Vortrags berichtete Herr Sahm über eigene Erfahrungen aus dem Einsatz in Afghanistan. Anschließend stand er den Schülern und Schülerinnen noch für weitere Fragen zur Verfügung.

Vielen Dank an Herrn Oberleutnant Sahm für den informativen Vortrag und an alle, die an der Organisation der Veranstaltung beteiligt waren.

Jan Pfaffenberger, Q11

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern