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[AvH] #36 Tropische Blütenpracht für zu Hause

Botanisieren, Herbarisieren, Pflanzendruck

Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland sammelten auf ihren Reisen durch Süd- und Mittelamerika etwa 60000 (!) Pflanzenproben, die sie – immer wenn sich ihnen die Möglichkeit dazu bot – mit dem Schiff zurück nach Europa schickten. Dazu mussten die Pflanzen gepresst und getrocknet werden, was beim vorherrschenden tropisch-feuchten Klima ihrer Reiseregion durchaus Probleme bereitete. Zahlreiche Proben gingen verloren, weil sie verschimmelten oder verfaulten.

Um die Verluste durch Pilzbefall und Fäulnis zu reduzieren, bediente sich Humboldt einer damals neuen (und später nicht mehr verwendeten) Technik, die Pflanzen nach Anfärben mit Druckerschwärze auf Papier abzudrucken und ihre Merkmale so für die spätere Bearbeitung zu konservieren. Viele der gefundenen Pflanzen wurden von Humboldt außerdem gezeichnet. Alle wurden sie fein säuberlich durchnummeriert, in den Reisejournalen beschrieben (oft durch Bonpland) und mit Orts- und Höhenangaben versehen.

Zurück in Europa und unterstützt durch namhafte Botaniker wie Carl Ludwig Willdenow (1765 - 1812) und dessen Nachfolger Karl Sigismund Kunth (1788 - 1850) dauerte die Auswertung  der Herbar-Belege dennoch weitere Jahre… was auch daran lag, dass Humboldt einen großen Teil der Arbeit Bonpland überlassen hatte. Dieser ging zeitweise jedoch mit wenig Elan zu Werke und verließ später sogar Europa wieder, um nach Amerika zurückzugehen. Die gemeinsam gesammelten Pflanzen ließ Humboldt ihm aber gerade noch rechtzeitig vor seiner Abreise wieder abnehmen. Doch selbst danach verbrachte Karl Sigismund Kunth noch 16 Jahre seines Arbeitslebens in Paris damit, das in Südamerika gesammelte Pflanzenmaterial für eine wissenschaftliche Veröffentlichung aufzubereiten.

Am Ende hatten Humboldt und Bonpland an die 6000 Arten beschrieben, davon um die 3000 Arten, die für europäische Botaniker als neue Arten galten. (Zahlenangaben aus Vorträgen von Dr. P. Rahemipour, Botanisches Museum Berlin-Dahlem, 14.3.18, und Dr. U. Päßler, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 5.4.19, an der Universität Bayreuth.) Der größte Teil seiner erhaltenen Herbar-Belege befindet sich heute im Botanischen Museum Berlin-Dahlem.

Zurück in Europa ließ Humboldt auf eigene Kosten anhand der Herbar-Belege, seiner Tagebuchaufzeichnungen sowie seiner präzisen und oft sehr kunstvollen Zeichnungen durch professionelle Künstler Kupferstiche anfertigen, die er in seinen zahlreichen Veröffentlichungen nutzte.

Dennoch war es Alexander von Humboldt nicht so wichtig, möglichst viele Arten zu bestimmt zu haben. Ihn interessierten vor allem die Zusammenhänge zwischen den Arten, die Verknüpfung ihres Vorkommens mit Klima, Geologie und Geomorphologie, aber auch ihre konkrete Nutzung durch die Einheimischen bzw. Möglichkeiten einer landwirtschaftlichen Verwendung auch außerhalb Südamerikas.

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