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[AvH] #39 "Der wahre Entdecker Amerikas"

Humboldt - „Der zweite Kolumbus“

Seine Reise durch den Norden Südamerikas ermöglichte Alexander von Humboldt neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auch intensive Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse vor Ort, die er in seinen Tagebüchern und späteren Veröffentlichungen notierte.

Dabei erregte besonders der Umgang der Jesuiten-Padres mit der indigenen Bevölkerung sein Missfallen. Aber: „Der unter dem Schutz der spanischen Krone reisende Humboldt, der für seine Untersuchungen der sozialen Verhältnisse vor Ort auf die Unterstützung der Kolonialverwaltungen angewiesen war und im Austausch mit deren führenden Repräsentanten stand, konnte offene Systemkritik nicht äußern, ohne sein ganzes Unternehmen akut zu gefährden. In seinen Reisetagebüchern wie in späteren Schriften zeigt sich aber deutlich, dass Humboldt die herrschenden Verhältnisse für auf Dauer unhaltbar ansah. Gegen die von Monokulturen und Sklavenhaltung bestimmte „gegenwärtige Zwangslage“ setzte er auf eine Verbindung von natürlicher Ordnung und menschlicher Freiheit: Würde diese Zwangslage durch Revolutionen beseitigt, käme es zur Produktion von Seide, Wein, Öl und Tuch „in selbständiger, freier Existenz“; dann gehe auch die Handelsabhängigkeit zurück und alles komme in eine natürliche Lage.“ (Wikipedia)

Einen solchen diplomatischen Spagat musste Humboldt Zeit seines Lebens mehrfach vollbringen:

  • Humboldt war Kritiker der kolonialen Ausbeutung … und dennoch Reisender mit einem Schutzbrief der Spanischen Krone in einem der größten Kolonialreiche der damaligen Welt.
  • Humboldt war Gegner der Sklaverei (was er vor allem auch nach seinem später folgenden Aufenthalt auf Kuba zum Ausdruck brachte) … und kurze Zeit später Gesprächspartner des US-amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson, der selbst Sklaven besaß (wenngleich er sich auch zwiespältig gegenüber der Sklaverei äußerte).
  • Humboldt war Sympathisant der Ideale der Französischen Revolution … und nach seiner Rückkehr nach Europa lange Jahre Kammerherr in finanzieller Abhängigkeit des Preußischen Königs.
  • Selbst auf seiner späten Reise nach Russland 1829 auf Einladung des russischen Zaren blieb es ihm untersagt, sich zu den Verhältnissen der Leibeigenschaft im russischen Zarenreich zu äußern.

Dennoch „… gedenken heute vor allem die Völker Süd- und Mittelamerikas Alexander von Humboldts mit großer Dankbarkeit, da er diese Regionen als Länder mit einer eigenen Zivilisation und nicht als europäische Kolonien beschrieb. Ebenso war Alexander von Humboldt in seiner Ablehnung von Sklaverei, Rassismus und menschenverachtendem Kolonialismus den anderen großen Gelehrten seiner Zeit weit voraus.“ (Ausstellung Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V.) Alexander von Humboldt wird daher oft auch als „Der zweite Kolumbus“ bezeichnet. Simon Bolivar, der erfolgreiche und meistverehrte südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer gegen die spanische Krone, der Humboldt nach seiner Rückkehr nach Europa 1804 in Paris und 1805 in Italien getroffen hatte, schrieb sogar: „Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“ (Ausstellung Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V.)

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