Gebet

[AvH] #41 Dschungelcamp anno 1800

Voller Einsatz für die Wissenschaft

„[…] die Insektenplage nimmt zu. Sie wird unerträglich. Ungeziefer zum Weinen! […] Sie können weder sprechen noch das Gesicht entblößen, ohne dass Mund und Nase sich mit Insekten füllen. Die vom Insektengift völlig überreizte Haut lässt sie glauben, die Luft sei glühend. […] Fürchterliche Reizung des Nervensystems. Überreizung der Oberhaut, Schweiß, Erhitzung des Blutes – welch eine Lage. Man glaubt, alle Sekunden die Instrumente und Pflanzenteile verzweiflungsvoll fallen zu lassen, wenn alle Hände voll stechender Insekten sind und man keine dritte Hand hat, sich ihrer zu erwehren…“ (aus: Biermann 2008, S. 164)

„Alexander und Aimé leiden seit Tagen unter einem unerträglichen Juckreiz an den Fingergelenken und dem Handrücken. Unter dem Vergrößerungsglas sieht Aimé winzige runde Säckchen, die Eiersäcke von Milben. Die […] Heilerin des Dorfes, behandelt sie – leider ohne großen Erfolg.“ (aus: Biermann 2008, S. 171 f.)

„Die Insektenplage wird immer schlimmer […] Aber noch können sie ihre Messungen vornehmen. […] An Land wimmelt es von großen Ameisen, die nachts sogar in ungeheuren Mengen über die Stricke der Hängematten auf die Körper der der Schlafenden gelangen. Man kann sich ihrer kaum erwehren. Nach langer Beobachtung sagt Alexander, ein ganzes Leben als Forscher würde wohl nicht ausreichen, um die biologischen und organisatorischen Verhältnisse der Ameisen zu begreifen. […] Alexander, Aimé und Nicolás de Soto bleiben bei alledem meistens heiter […]“ (aus: Biermann 2008, S. 179 f.)

„Nach fünfundsiebzig Tagen und Nächten [und rund 3000 km Fahrt auf fünf großen Flüssen] ist die Flussreise vorbei.“ Sie erreichen die Provinzhauptstadt Angostura (heute Ciudad Bolívar) Mitte Juni 1800. „In den ersten Tagen fühlen sie sich noch gesund, wenn auch müde und erschöpft. Doch in ihren Körpern hat sich längst […] die Malaria entwickelt. Winzigste Einzeller der Gattung Plasmodium, übertragen beim Stich einer Anopheles-Mücke, sind über den Blutkreislauf in die Leber gelangt, haben sich vermehrt und schwärmen jetzt erneut in das Blut aus. Der Körper reagiert mit heftigsten Schüttelfrösten und starkem Fieber von über 40 Grad. Die malaria tropica kann rasch zu Schädigungen des Gehirns und der Nieren führen und tödlich sein.

Bei Alexander und Aimé bricht die Malaria am selben Tag aus, sie nimmt bei Bonpland einen bösartigen Charakter an. […] Humboldts Fieber ist anfangs sehr heftig, doch nach der Behandlung mit Honig und Chinarindenextrakt verschwindet es schon am zweiten Tag vollständig. Aimés Zustand dagegen bleibt mehrere Wochen hindurch kritisch. Eine Ruhr-Erkrankung kommt hinzu und erschwert alles. Der Arzt Bonpland beschließt, sich selbst zu behandeln […] Bonpland hat während dieser schmerzhaften Krankheit den Mut und die Freundlichkeit des Charakters bewahrt, die ihn auch in den schmerzlichsten Momenten seines Lebens niemals verließen. […]

Eine schwere Krise, die plötzlich alles in Frage stellt. Alexander macht sich heftige Vorwürfe […] – viele Forscher haben schon in den Tropen ihr Leben gelassen. […]

Zum Glück wird Bonpland […] allmählich wieder gesund. […] Humboldt mietet Träger mit Sänften und bringt die beiden [auch ihr Diener war stark erkrankt] in die höher gelegene Pflanzung eines befreundeten Arztes […] Hier oben, in der frischen Bergluft, blieben sie einen ganzen Monat. […]

[Erst] Am 10. Juli 1800 brechen sie auf. […]“ (aus: Biermann 2008, S. 188 ff.)

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