Gebet

[AvH] #42 Kuba

Humboldt reist noch...

Eine Weile haben wir nun schon nichts mehr von Alexander von Humboldt gehört… das Jubiläumsjahr liegt auch schon wieder hinter uns… aber in den Stationsberichten auf unserer Homepage befindet sich Humboldt immer noch auf seiner großen Reise… Begleiten wir ihn also weiterhin:

Humboldt und Bonpland kehrten nach Cumaná zurück, dem Ort im heutigen Venezuela, in dem sie zum ersten Mal ihren Fuß auf südamerikanisches Festland gesetzt hatten. Aber nicht lange verweilten sie dort: „Am 17. November [1800], genau ein Jahr nach ihrer Abfahrt von Cumaná nach Caracas und an den Orinoco, besteigen sie eine lancha und brechen nach Nueva Barcelona auf. Ihr Ziel ist Kuba.“ (aus: Biermann 2008, S. 195)

Am 19. Dezember 1800 erreichten sie mit großer Vorfreude Havanna, eine „[…] der reizendsten und malerischsten von allen Küsten des tropischen Amerika […]“ Aber Humboldt blieb Realist: „Angesichts der Schönheiten vergisst der Europäer leicht die Gefahr, welche ihn im Herzen der volkreichen Städte der Antillen bedroht. Er denkt an die tropischen Krankheiten, das Gelbe Fieber, das Schwarze Erbechen… […] Havanna ist eine der besonders dynamischen Städte Amerikas, neben Rio de Janeiro, New York und der noch viel größeren Stadt Mexiko.“ (aus: Biermann 2008, S. 198 f.)

Dank der umfassenden Vollmachten der Spanischen Krone gelang es Alexander von Humboldt schnell, in der kubanischen „Gesellschaft“ Fuß zu fassen. Innerhalb kurzer Zeit wurde er auch hier zu einer „bekannte[n] Persönlichkeit“. „Alexander besitzt die staunenswerte Fähigkeit, auf beinahe alle Menschen, die ihm begegnen, unabhängig von Stand oder Rasse, ganz individuell einzugehen, auf Weiße und Schwarze, Bauern, Tagelöhner, Seeleute, Politiker, Intellektuelle, Handelskammerpräsidenten, Plantagenbesitzer.“ (aus: Biermann 2008, S. 200 f.) Das ermöglichte ihm Gespräche mit den unterschiedlichsten Personen. Er diskutierte zahlreiche Fragen nicht nur in naturwissenschaftlichen Fachgebieten, und interessierte sich für wirtschaftliche und soziale Themen. „Er will verstehen, nicht urteilen.“ (aus: Biermann 2008, S. 201)

Dank seiner guten Beziehungen konnte er in den königlichen Archiven arbeiten, „was nie zuvor einem Ausländer gestattet worden ist.“ (aus: Biermann 2008, S. 202) Er beschäftigte sich dabei vorwiegend mit „[...] volkswirtschaftliche[n] Probleme[n], […] Produktion und Vermarktung, […] Innovation und Technik […] Als erster Wissenschaftler untersucht er die Herstellungsbedingungen der wichtigsten kubanischen Produkte: Zucker, Kaffee, Tabak, alles für den Export bestimmte Kolonialwaren, die das Interesse des Mutterlandes und Europas bedienen.“ (aus: Biermann 2008, S. 203) Dabei fiel ihm als einem der Ersten schon bald die unheilvolle Abhängigkeit von gewinnbringenden „cash crops“ auf, die zu schädlichen Monokulturen und zur Vernachlässigung der Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln führt: „Schon beginnt man, teure Lebensmittel und vor allem Fleisch einzuführen, zum Teil aus dem fernen Argentinien. […]“ (aus: Biermann 2008, S. 203).

Humboldt unternahm „Exkursionen ins Innere der Insel […] Planmäßig schafft Humboldt die Voraussetzungen zu einem einzigartigen Werk, einer literarischen Gattung, die er als Erster erfindet: sein Essai politique sur l’ île de Cuba, der „Politische Versuch über die Insel Kuba“, ist eine Monographie der Insel, die erste moderne Länderkunde überhaupt […] mit einem wichtigen Kapitel über Sklaverei. Dieses Kapitel wird sein Leben lang große Bedeutung behalten…“ (aus: Biermann 2008, S. 204).

Die drei Monate Aufenthalt auf Kuba genügten Alexander von Humboldt, um die Zusammenhänge zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragen nicht nur zu erkennen, sondern auch fundiert zu beschreiben, was ihn auch heute noch, in Zeiten der Globalisierung, zu einem wichtigen Vordenker nachhaltigen Handelns macht.

zurück zu #41 - weiter zu #43

Mehr zum Humboldt-Jahr 2019: Stationen - Aktionen  - Informationen

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern