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[AvH] #43 Kuba 2: Sklaverei

Humboldt - ein überzeugter Gegner der Sklaverei

Havanna als Mittelpunkt der spanisch-karibischen Welt, ist zugleich das bedeutendste Wirtschaftszentrum der Antillen, die Plantagenwirtschaft bringt Tabak und Zucker hervor, auch Baumwolle für die europäischen Webmaschinen, und gerade jetzt spüren alle den großen Schub in den nächsten boom. Europas wachsende Märkte verlangen nach all diesen Produkten; und deshalb beginnt jetzt erst richtig, was Humboldt für lange Zeit entsetzen wird, der eigentliche Aufschwung des Sklavenhandels.“ (aus: Biermann 2008, S. 199 f.)

In seinem Essai politique sur l’ île de Cuba beschrieb er die barbarischen Auswirkungen der Sklaverei. „Wenn man als Reisender Augenzeuge war, wie Menschen gequält und entwürdigt wurden, so geziemt es sich, diese Tatsachen denen zu Gehör zu bringen, die sie ändern können – das sind die Europäer, seine Leser. […] Humboldt ließ keinerlei Zweifel an seiner Haltung: Die Sklaverei ist das größte aller Übel, welche die Menschheit bisher gepeinigt haben.“ (aus: Biermann 2008, S. 204 f.) Er schilderte die Auswirkungen der Sklaverei von der menschenverachtenden Sklavenjagd in Afrika, der qualvollen Überfahrt nach Amerika, die bereits zahlreiche Todesopfer forderte, bis zur gnadenlosen Sklavenarbeit unter unmenschlichen Bedingungen auf den Plantagen: „Die Sterblichkeit ist hoch […] Auf den Zuckerpflanzungen krepieren pro Jahr 15 bis 18 von hundert Sklaven, obwohl es fast ausnahmslos junge Männer sind […]“ – und das war noch vor dem großen Anstieg der Sklaverei in den Zuckerrohrplantagen im portugiesischen Brasilien und den Baumwollfeldern der Südstaaten der USA. „Allein in den letzten fünfzehn Jahren vor seiner Reise, so rechnet er aus, seien mehr Sklaven als Schwarze Ware nach Amerika geliefert worden als in den zweieinhalb Jahrhunderten zuvor.“ (aus: Biermann 2008, S. 205).

Doch Humboldt ging einen Schritt weiter: Er „[…] verliert sich nicht in moralischen Appellen, er verlangt auch nicht einfach das vollständige und sofortige Ende der Sklaverei; er schlägt vor, die Situation schrittweise zu verbessern.“ (aus: Biermann 2008, S. 206) … und machte dazu konkrete, mit Zahlen und Argumenten untermauerte Vorschläge.

Dieses Engagement für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Sklaven in den kubanischen Plantagen, das er auch noch Jahrzehnte nach seiner Rückkehr nach Europa fortführte, macht Alexander von Humboldt auch heute noch zu einer für die Entwicklung der kubanischen Gesellschaft wichtigen historischen Persönlichkeit (nach: Biermann 2008, S. 207). In Kuba kennt ihn auch heute noch quasi „jedes Kind“. - In Deutschland stehen diese Aspekte von Humboldts Wirken eher im Schatten seiner naturwissenschaftlichen Leistungen.

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