Gebet

P-Seminar vergessen – seltene Schmetterlingsraupen gerettet…

„[…] entschuldigen Sie, dass ich das letzte Zoom Meeting vergessen habe! […] Allerdings hab ich eine gute und, wie ich finde, interessante Ausrede ;).

Als ich am Montag draußen unterwegs war, habe ich an einem Feld Raupen der streng geschützten Art Proserpinus proserpina gefunden. Sie saßen auf Futterpflanzen der Arten Epilobium hirsutum und E. angustifolium. Die Raupen sind relativ gut zu bestimmen. Im Regelfall weisen Schwärmerraupen (Sphingidae), so wie alle Arten der Überfamilie der Bombycoidea, ja ein Analhorn auf. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen das Horn zurückgebildet ist und nur bei Proserpinus proserpina ist dieses zu einem Augenfleck umgebildet.

Der Nachtkerzen-Schwärmer ist für die Region noch nicht nachgewiesen und EU-weit unter Schutz gestellt. Da die Raupen aber an einem Feldrand leben, war die Sorge groß, dass der zuständige Landwirt dort mähen könnte. Also schrieb ich am selben Tag noch einer Naturschutzfachkraft im Landratsamt und dem Bund Naturschutz.  Am Dienstag kamen bereits die Antworten und der Landschaftspflegeverband wurde hinzugezogen. An dem Morgen war ich dann beschäftigt alles zu beantworten, den Standort zu übermitteln und noch einmal nach den Raupen zu sehen und habe dabei total vergessen, dass für den Tag ein Meeting vorgesehen war. Ich vergesse so etwas normalerweise nie, aber an dem Tag war ich wohl sehr fixiert.

Den Raupen geht es gut, sie dürfen jetzt in Ruhe aufwachsen und im nächsten Frühjahr dann als Nachtkerzen-Schwärmer schlüpfen und sich hoffentlich zahlreich vermehren (am Donnerstag gab der Landschaftspflegeverband bekannt, dass es zu einer Einigung mit dem Landwirt kam). Es war wohl wirklich sehr knapp, noch am selben Nachmittag wurde an dem betroffenen Feldrand alles gemäht, bis auf die Weidenröschen mit den Raupen!

Über den Landschaftspflegeverband bin ich jetzt auch noch an ein Streuobstwiesenprojekt im Ort geraten, wo ich bald wohl Schmetterlinge auf den Streuobstwiesen kartieren darf (der eigentlich Verantwortliche ist ausgefallen und man konnte bisher keinen Ersatz finden).

Insofern, leider habe ich das Meeting verpasst, die Zeit aber dennoch sinnvoll genutzt. […]“

Jason Berger

- Da hat er wohl Recht… Schön, wenn HomeSchooling in Corona-Zeiten solche „naturwissenschaftlichen Spaziergänge“ in freier Wildbahn ermöglicht!

Viel Erfolg bei der weiteren Insekten-Pirsch!

Und vielleicht wird ja sogar ein „Jugend forscht“-Projekt daraus?

Weitere Informationen zum Nachtkerzen-Schwärmer finden sich auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz. Dort gibt es auch eine Verbreitungskarte, die für unsere Region weit und breit noch keine Markierung aufweist: Also wirklich eine spannende Entdeckung!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern