MuseumsCheck #7

Ferien, Sonnenschein, Maskenpflicht… und dann ins Museum?

Sieben MuseumsChecker aus den Klassen 5, 6, 8 und 9+ haben es sich trotzdem gegeben: Quasi als Ferienprogramm trafen sie sich mit Dr. Sven Friedrich und machten einen „MuseumsCheck“ im Richard-Wagner-Museum Bayreuth. Bei einer eineinhalbstündigen Führung, natürlich immer mit Mundschutz und / oder dem vorgegebenen Mindestabstand, führte sie der Leiter des Richard-Wagner-Museums Bayreuth durch die drei Häuser, die für die drei wichtige Epochen der Wagnerschen Wirkungsgeschichte stehen. Wo sonst in einer „normalen“ Festspielsaison 10 000 Besucher durch die „heiligen Hallen“ strömen, konnte man nun andächtig durch die Gebäude schlendern und Richard Wagner und sein Wirken / seine Auswirkungen kennen lernen.

Der erst 2015 eröffnete, als moderner Pavillon gestaltete Neubau des Richard-Wagner-Museums (mit Museumsshop und angegliedertem Café) steht für Wagner im 21. Jahrhundert: Ausgehend von einem Modell des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel taucht man im abgedunkelten Untergeschoss in die Bühnenwelt der Wagner-Opern ein: Eine Bildergalerie der Festspieldirigenten, historische Bühnenbildmodelle und ausgewählte Kostüme verschiedener Inszenierungen werden durch Audionischen ergänzt, in denen die Musik Richard Wagners individuell über Kopfhörer genossen werden kann. Wagners Musik ist hier Exponat, nicht Hintergrundberieselung.

Vorbei an der momentan nicht „bespielten“ Sonderausstellungshalle geht es über den Hof (unter dem inzwischen das Depot des Museums eingerichtet ist) ins Siegfried-Wagner-Haus, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweitert wurde. Es diente Siegfried Wagner als Junggesellenhaus, später war es Gästehaus für Festspieldirigenten wie Arturo Toscanini oder Richard Strauss, aber auch Adolf Hitler verbrachte hier oft Wochen, wenn er in Bayreuth weilte und wie ein Familienmitglied von Winifred Wagner aufgenommen wurde. Gerade diese historischen Bezüge machen das Siegfried-Wagner-Haus zu einem Ort, dessen „Räume für sich sprechen sollen“: Im Boden eingelassen Video-Blöcke erwecken die Themen „Wagner & Hitler“, „Ideologie“ und „Opposition & Kritik“ zum Leben.

Als Richard Wagners erstes eigenes Wohnhaus ist die Villa Wahnfried das Kernstück des Richard-Wagner-Museums. Das nach seiner Zerstörung durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg erst in den 1970er Jahren vollständig wieder aufgebaute Atrium-Haus im Neorenaissance-Stil beherbergt neben einer klassischen Dauerausstellung zu Leben und Werk Richard Wagners im Untergeschoss die „Schatzkammer“: Richard Wagners Bibliothek sowie originale Notenhandschriften – das „Heiligtum für eingefleischte Wagnerianer“. Den Schülern gefiel hier besonders gut die „Interaktive Partitur“, die den Aufbau einer Orchesterpartitur, das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumentengruppen in einem Opernorchester und auch die Verwendung Wagnerscher Opernmusik als Soundtrack berühmter Kinofilme wie „Der letzte Diktator“ oder „Apocalypse now“ mit Hörbeispielen multimedial erlebbar machte. Sicherlich der bekannteste Raum der Villa Wahnfried ist „Der Saal“ mit Wagners Flügel vor den Fenstern in den Garten, der auch heute noch für Konzertveranstaltungen genutzt wird. So fand die wenn auch nur symbolische Festspieleröffnung im Corona-Jahr 2020 mit einer Live-Übertragung eines Konzerts aus der Villa Wahnfried statt.

Nach einer weiteren individuellen Runde durch das Museum trafen sich die MuseumsChecker wieder mit Dr. Friedrich am Brunnen im Garten und gaben ein Feedback zu ihren Eindrücken. Obwohl (oder weil?) etliche der Schüler vorher noch keine engeren Bezüge zu Wagner hatten, waren sie alle sehr beeindruckt und fanden die Ausstellung(en) sehr interessant. Die Führung war für sie auch ohne spezielles Vorwissen gut nachvollziehbar. Vorhandene Fragen der Teilnehmer waren kompetent beantwortet worden. Trotz relativ weiter Wege und langer Dauer der Führung („Wagner ist immer lang…“) war es immer „sehr kurzweilig“. Obwohl erklärende Texte aus verschiedenen Gründen im Museum bewusst kurz gehalten sind und die SchülerInnen nicht den Media-Guide genutzt hatten, den sonst jeder Museumsbesucher an der Kasse erhält, gefiel den MuseumsCheckern die Präsentation der Objekte und vor allem auch der Medien sehr gut. Lieblingsexponate waren die Kostüme („Ich finde es schön zu sehen, in was sie gespielt haben“) und natürlich die "Interaktive Partitur". Auch die museale Infrastruktur mit Sitzgelegenheiten, Verpflegungsmöglichkeiten, Toiletten, Raumklima und Erreichbarkeit mit körperlichen Einschränkungen wurde weitgehend mit sehr gut bewertet.

Leider gibt es aktuell keine eigene Museumspädagogik, obwohl vor einigen Jahren sogar Lehrkräfte unserer Schule, Dr. Heiko Weiß und Ulrich Herrmann, im Auftrag des Museumspädagogischen Zentrums München hierfür eigene Programme erarbeitet hatten.

Dennoch konnten alle Teilnehmer einen intensiven Einblick in Leben und Werk Richard Wagners erhalten, gleichzeitig aber auch ihren kritischen Blick auf die Gestaltung eines Museums schulen und sich darin üben, ein konstruktives Feedback zu geben. Vielen Dank an Museumsleiter Dr. Sven Friedrich für die interessante Führung durch eines der touristischen Highlights für Wagner-Fans.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern