MuseumsCheck #8

Kennt Ihr den Bayreuther Dichter, der seinen Verehrerinnen Locken schenkte? ... und als das eigene Haupthaar nicht mehr ausreichte, musste sogar sein Pudel dafür herhalten...

Das und so einiges mehr erfuhren fünf "MuseumsChecker" beim Besuch des Bayreuther Jean-Paul-Museums durch den Museumsleiter Dr. Sven Friedrich - coronabedingt als kompakten Einführungsvortrag zu Beginn ihres neuen Museumschecks mitten in den Sommerferien. Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, (1763 - 1825) verbrachte seine letzten Lebensjahre in Bayreuth. Kaum verließ er Oberfranken, kam - anders als andere berühmte Dichter - nie ins Ausland, führte ein eher langweiliges Familienleben mit Frau und Tochter. Und doch machten ihn seine langen Spaziergänge berühmt, u.a. zur Rollwenzelei oder in den Donndorfer Fantaisiepark. Sie inspirierten ihn zum Schreiben langer, nicht immer einfach zu lesender Romane und Erzählungen wie "Siebenkäs" oder "Dr. Katzenbergers Badereise", mit denen er zu Lebzeiten vor allem beim weiblichen Publikum zeitweise erfolgreicher als sein Zeitgenosse Johann Wolfgang von Goethe (der sich eher über ihn lustig machte). Jean Paul prägte mit seiner ausschweifenden, "unordentlichen", aber auch sehr bildlichen, anschaulichen Schreibweise einen eigenen Stil. Er war ein "Neologistiker", einer der neue Worte wie "Schmutzfink" und "Habseligkeiten" erschuf. Gleichzeitig war er ein großer Humanist mit einem "Herz für skurrile Charaktere" und schrieb ein pädagogisches Werk mit fortschrittlichen Denkansätzen. Alle seine Erstausgaben sind im Archiv des Jean-Paul-Museums in Bayreuth zu finden.

Doch wie stellt man so etwas aus? - Nach der Einführung hatten die MuseumsChecker die Gelegenheit, das kleine Museum (2012 neu gestaltet) selbst zu erkunden und die verschiedenen Objekte genauer zu betrachten: In einem einzigen, abgedunkelten Raum zeigen Buch-ähnliche Vitrinen in Schubladen Originalausgaben der Werke Jean Pauls. Durch eine Glasscheibe kann man einen Blick in Jean Pauls "Arbeitszimmer" werfen. Unzählige zeitgenössische Bilder von Landschaften und Bekanntschaften sowie eine Locke als "Fan-Artikel" für die zahlreichen Verehrerinnen sind zu sehen. Einige vertonte Texte lassen sich anhören und einen schon recht alten Dokumentarfilm kann man ansehen...

In der anschließenden gemeinsamen Feedback-Runde zeigte sich, dass dieses kleine Museum die Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich ansprach: Obwohl die MuseumsChecker aus der 5. bis 8. Klasse vorher noch nicht viel mit Jean Paul zu tun hatten, fanden sie die Ausstellung einigermaßen interessant. Obwohl es kaum etwas "zum Anfassen" gab, waren die MuseumsChecker mit der Präsentation der Inhalte überwiegend zufrieden. Obwohl einen Führung direkt zu / an den Objekten anschaulicher gewesen wäre, gefiel ihnen die kompetente Einführung zu Beginn sehr gut. Ihre Lieblingsobjekte waren die Haarlocke und eine goldene Kette. Aber auch die Audios von Jean Pauls Texten fanden Gefallen: "... weil ich gerne Geschichten mag und erfinde / weil mich Lebensläufe interessieren..." Kritischer bewerteten sie den Zugang zum Museum für Menschen mit Bewegungseinschränkungen, weil erst eine Treppe am Eingang erklommen werden muss. Abschließend hatten die MuseumsChecker noch einige Ideen, wie man das Museum für Kinder und Jugendliche noch attraktiver machen könnte. - Mal sehen, ob sie bei einer Neugestaltung nach dem geplanten Umzug in Jean Pauls Sterbehaus in der Friedrichstraße mit berücksichtigt werden können. Vielen Dank auf jeden Fall an Museumsleiter Dr. Sven Friedrich für diesen anschaulichen Einblick in das Leben und Werk eines noch nicht jedem bekannten berühmten Bayreuthers.

Im Garten des Hauses fanden die MuseumsChecker schließlich noch eine Skulptur, die an Jean Pauls "Luftschiffer Giannozzo" erinnert, und einen Pavillon mit einer Station des 200 km langen, oberfränkischen Jean-Paul-Wanderweges, der in Joditz bei Hof beginnt und in Sanspareil endet.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern