MuseumsCheck #9

Um das Bayreuther „Museumsdreieck“ am Hofgarten zu vervollständigen, besuchten die „MuseumsChecker“ in den Sommerferien nach dem Richard-Wagner- und dem Jean-Paul-Museum auch noch das Franz-Liszt-Museum.

Hinter einer hohen Eibe verborgen liegt es in einem historischen Bachsteinbau. Auch hier ist Dr. Sven Friedrich der Leiter des Museums, der den MuseumsCheckern im „Virtuosen-Zimmer“ vor einem Flügel einen Überblick über das abwechslungsreiche Leben und Werk des Klaviervirtuosen Franz Liszt gab: 1811 im Burgenland geboren, auf den Bühnen Europas unterwegs, ab 1865 pendelnd zwischen Rom, Budapest und Weimar, als Schwiegervater Richard Wagners 1886 in Bayreuth gestorben… Aus dem Wunderkind am Klavier wurde sehr schnell ein europäischer „Superstar“, der jedes Klavierstück vom Blatt spielen konnte. Er zelebrierte seine Auftritte so intensiv, dass die Damen im Publikum reihenweise in Ohnmacht fielen. Als Vertreter der „neudeutschen Schule“ sah er Musik als Gesamtkunstwerk und schuf in eigenen anspruchsvollen Stücken „symphonische Dichtung“. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs unterbrach Franz Liszt seine musikalische Karriere und empfing in Rom die niederen Priesterweihen, nahm dann aber auch seine musikalischen Aktivitäten wieder auf.

Zu Richard Wagner entwickelte sich nach anfänglicher Abneigung eine Künstlerfreundschaft. Der notorisch klamme Wagner fand in Franz Liszt einen großzügigen Förderer. 1870 heiratete er – anfangs von Liszt missbilligt – dessen Tochter Cosima. Bei einem seiner wiederholten Besuche der Bayreuther Festspiele, die nach dem Tode Wagners von dessen Frau Cosima  geleitet wurden, erlag Franz Liszt 1886 einer schweren Erkrankung.

Dieser schillernden Persönlichkeit ist das Bayreuther Franz-Liszt-Museum in seinem Sterbehaus gewidmet. Chronologisch gegliedert zeigt es in mehreren Räumen verschiedene Stationen aus dem Leben des Musikers: seine Geburt, „Freunde und Bekannte“, das „Virtuosen-Zimmer“, seine Hofkapellmeister-Zeit in Weimar, sein Sterbezimmer sowie das Verhältnis zur Familie Wagner und einige seiner Pianisten-Schüler.

Das eher kleine Museum (Bayreuth ist eben keine "klassische" Liszt-Stadt wie Rom, Weimar oder Budapest) präsentiert Franz Liszt als „kosmopolitischen Europäer“ und setzt damit in unmittelbarer räumlicher Nähe, quasi im Schatten der nahen Villa Wahnfried, einen Kontrapunkt zum eher „nationalen“ Künstler Richard Wagner.

Die MuseumsChecker, die Franz Liszt noch nicht bzw. nicht sehr gut kannten, waren beeindruckt – auch wenn das Museum inzwischen etwas in die Jahre gekommen ist, (funktionierende) interaktive Angebote vermissen lässt und wegen der Treppe am Eingang mit körperlichen Einschränkungen nur schwer zu erreichen ist. Ihre Lieblingsobjekte waren u.a. die Totenmaske Liszts, seine Sandalen oder das „Stumme Klavier“, das Liszt auf seinen langen Reisen mit sich führte… „weil es früher wirklich von ihm genutzt wurde.“ Für eine geplante Neugestaltung des Museums wünschten sie sich aber mehr Dinge zum Anfassen oder auch die Möglichkeit, seine Werke an Hörstationen direkt zu erleben. Hier könnten in größeren Räumen bequeme Sofas oder Sessel im Stile eines Wohnzimmers zum entspannten Kennenlernen des Lisztschen Werkes einladen.

Vielen Dank an Dr. Sven Friedrich für die wieder fachlich sehr kompetente und freundliche Führung.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern