Wilhelm Leuschner – ein (un)bekannter Widerstandskämpfer aus Bayreuth
Kuratiert vom Leistungskurs Geschichte (12)
Deckname ‚Onkel‘ “ – klar klingt das weniger spektakulär als „Operation Walküre“, aber in Wahrheit ist Wilhelm Leuschner der vielschichtigere und glaubwürdigere Hitlergegner als etwa Stauffenberg, wie man in der Ausstellung über sein Leben und Wirken erfahren kann.
Am 27.04.2026 wurde im Aquariumseck die Ausstellung über Wilhelm Leuschner, den Widerstandskämpfer aus Bayreuth, eröffnet. Die Schülerinnen und Schüler im Leistungsfach Geschichte unter der Leitung von Herrn Ehlenberger haben sie aufgebaut und mit Begleitmaterialien (digitale Fragebögen, Plakate) ausgestattet. Zur Eröffnung war dankenswerterweise Wolfgang Hasibether, der Vorstand der Wilhelm-Leuschner-Stiftung, gekommen, von dem uns die Rollup-Ausstellung zur Verfügung gestellt wurde.
Herr Hasibether ist eine zentrale Figur in der Bayreuther Gedenkarbeit, besonders im Zusammenhang mit Wilhelm Leuschner. Neben seinem Amt als Geschäftsführer der Stiftung ist er zudem als Stiftungsratsvorsitzender und als Wissenschaftlicher Leiter des Leuschner-Archivs tätig. Hasibether setzt sich zudem intensiv für die Erinnerungskultur in der Region ein, unter anderem durch die Forderung nach einem NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth.
Die von Herrn Hasibether moderierte Vorstellung zu Wilhelm Leuschner hat uns besonders beeindruckt, weil sie nicht nur biografische Fakten vermittelte, sondern auch durch eine offene, dialogische Art ein vertieftes Verständnis der Gedenkkultur ermöglichte. Er machte deutlich, dass die Erinnerung an Leuschner keineswegs selbstverständlich ist: So wurde etwa die Sicherung seines Nachlasses und seiner Bedeutung nicht von der Stadt getragen, sondern ausschließlich von der Leuschner-Stiftung selbst übernommen.
Mithilfe der Ausstellung wurde hervorgehoben, dass Leuschner in seiner historischen Relevanz als durchaus gleichrangig mit bekannteren Figuren wie Stauffenberg gelten muss – wenn diese nicht sogar darüber hinausgeht. Als wichtiger Teil des Widerstands spielte er eine entscheidende Rolle in den Umsturzplänen gegen das NS-Regime. Besonders eindrücklich erschien uns seine Furchtlosigkeit und Unbeugsamkeit: Trotz drohender Verfolgung kehrte er immer wieder in sein privates Umfeld zurück, und selbst nach einer langen Haft im Konzentrationslager zögerte er nicht, direkt wieder nach Berlin zu reisen, um weiter an den Widerstandsplänen zu arbeiten.
Darüber hinaus wurde im Gespräch mit Herrn Hasibether auch ein Bezug zur Gegenwart hergestellt; soziale Themen wie die Rentenfrage und die aktuelle politische Lage wurden aufgegriffen und regten zum Nachdenken an, nicht zuletzt im Licht von Leuschners Engagement, das in der Forderung gipfelte: „Aus der politischen Demokratie muss eine soziale werden!“ Auch die Errichtung eines NS-Dokumentationszentrum lag dem Leuschner-Experten am Herzen, um die dunkle Vergangenheit Bayreuths besser aufarbeiten zu können. Doch wie seine Vorahnung bestätigte, wird es nach der letzten Stadtratssitzung nicht wie ursprünglich geplant ein breit angelegtes Dokuzentrum im früheren Wohnhaus Chamberlains geben, sondern es wird aufgrund der knappen Finanzen vor allem auf digitale Angebote gesetzt. Diese sollen beispielsweise Projekte in Schulen oder auch Pop-up-Formate beinhalten; renoviert wird das Haus, in dem zurzeit das Jean-Paul-Museum ist, trotzdem, für etwa drei Millionen Euro.
Insgesamt hat die Veranstaltung eindrucksvoll gezeigt, wie bedeutend Leuschners Leben und Wirken bis heute sind. Des Weiteren waren wir uns alle einig, dass ein Film über Leuschners bedeutsames Leben ein hervorragendes Mittel wäre, um seine Relevanz im Widerstand hervorzuheben und seine Bekanntheit im Einsatz für Demokratie zu steigern.
Carina Lindner, Q12