Latinum

1.  Latinum

Die Bestimmungen für den Erwerb des Latinums richten sich nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz. Bei der Zuerkennung des Latinums, das nur an Schulen erworben werden kann, geht es nicht um die Zahl der aufsteigenden Jahre des Spracherwerbs, sondern um das erreichte Lektüreniveau.

Gemäß Beschluss der KMK („Vereinbarung über das Latinum und das Graecum“ vom 22.09.2005) setzt die Zuerkennung des Latinums die Fähigkeit voraus, „lateinische Originaltexte im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich anspruchsvollerer Stellen (bezogen auf Bereiche der politischen Rede, der Philosophie und der Historiographie) in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen“, im Wesentlichen also Texte von Cicero.

Dieses Niveau wird im achtjährigen Gymnasium bei Latein als erster und zweiter Fremdsprache über den Pflichtunterricht nach der Spracherwerbsphase und zwei weiteren Lektürejahren in Jahrgangsstufe 10 bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis erreicht und in diesem sowie im Abiturzeugnis bestätigt.

Um Schülern des achtjährigen Gymnasiums, die Latein bereits nach der Jahrgangsstufe 9 ablegen wollen, um eine neu einsetzende spät beginnende Fremdsprache zu erlernen [am GCE: Spanisch] oder die Jahrgangsstufe 10 an einer Auslandsschule zu verbringen, einen vorzeitigen Erwerb des Latinums am Ende der Jahrgangsstufe 9 doch noch zu ermöglichen, wurde den Schulen die Möglichkeit eingeräumt, am Ende der Jahrgangsstufe 9 schulinterne Feststellungsprüfungen zum Erwerb des Latinums abzuhalten.

Die das Latinum (vgl. auch § 96 GSO) und die Feststellungsprüfung (für Schüler) bzw. Ergänzungsprüfung (für Nichtschüler) zum Erwerb des Latinums betreffenden Bestimmungen sind in der kultusministeriellen Bekanntmachung vom 20.12.2012 Nr.  VI.3-5 S 5510-6.133 551 zusammengefasst.

 

2.  Gesicherte Lateinkenntnisse / Kleines Latinum

Die Bestimmungen für den Erwerb gesicherter Lateinkenntnisse, für deren Bezeichnung auch der Begriff „Kleines Latinum“ eingeführt wird, richten sich nach § 97 GSO und KMBek Nr. III.10-5 S 4020-PRA.2516. Die Zuerkennung gesicherter Latein-kenntnisse bzw. des Kleinen Latinums setzt die Fähigkeit voraus, lateinische Originaltexte im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich einfacherer Prosatextstellen in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen (entsprechende antike, mittelalterliche und neuzeitliche Texte, z. B. Nepos, Curtius Rufus, Vulgata).

Dieses Niveau wird im achtjährigen Gymnasium bei Latein als erster und zweiter Fremdsprache über den Pflichtunterricht nach der Spracherwerbsphase und einem weiteren Lektürejahr in Jahrgangsstufe 9 bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis erreicht und in diesem sowie im Abiturzeugnis als „Kleines Latinum“ bestätigt.

 

3.  Lateinkenntnisse

Die Bestimmungen für den Erwerb von Lateinkenntnissen richten sich nach § 97 GSO und KMBek Nr. III.10-5 S 4020-PRA.2516. Die Zuerkennung von Lateinkenntnissen setzt die Fähigkeit voraus, Texte, wie sie üblicherweise am Ende der Spracherwerbsphase in den vom Staatsministerium genehmigten Lehrbüchern zu finden sind, in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen.

Dieses Niveau wird im achtjährigen Gymnasium bei Latein als erster und zweiter Fremdsprache in Jahrgangsstufe 8 bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis erreicht.

 

4.  Latinum / Lateinkenntnisse als Zulassungsvoraussetzung

In der neuen LPO I werden für das Studium des Lehramts am Gymnasium in den Fächern Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch „gesicherte Kenntnisse in Latein“ als fachliche Zulassungsvoraussetzungen gefordert.

Das Latinum ist nach wie vor in zahlreichen Fächern Studien- bzw. Prüfungsvoraussetzung; im Rahmen der Lehramtsausbildung1 wird es in Bayern für das Studium des Griechischen als fachliche Zulassungsvoraussetzung gefordert.

„Ausreichende Kenntnisse“ in Latein und Griechisch, die weiterhin für das Studium des Lehramts am Gymnasium in den Fächern Katholische und Evangelische Religionslehre gefordert werden, können wie bisher durch das Latinum und Graecum nachgewiesen werden (s. KMBek vom 16.3.2007 Nr. VI.3-5 S 5510-6.78 714 Nr. 5).

1vgl. dazu: http://www.altphilologenverband.de/index.php?option=com_content&view=article&id=29&Itemid=8

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern