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Wie Gott in Frankreich?

Auf den Spuren Wilhelmines und Friedrichs III. von Bayreuth

Unter Ludwig XIV., dem „Sonnenkönig“, wurde Frankreich im 17. Jahrhundert zur stärksten Monarchie Europas – und zum Vorbild für zahlreiche europäische Höfe. Auch in Bayern fand die unter Ludwig ihren Höhepunkt erreichende Herrschaftsform des „Absolutismus“ großen Anklang. Doch auch wenn uns dabei sofort ein Ludwig oder Max aus dem 19. Jahrhundert einfallen mag, so liegen die Wurzeln erster bayrischer Nachahmer des Sonnenkönigs viel weiter zurück. Zu den bekanntesten zählen hierbei vor allem Friedrich III. von Bayreuth, der allerdings oft im Schatten seiner Gattin steht: Als Tochter Friedrich Wilhelms I. – dem „Soldatenkönig“ – und Schwester des „Alten Fritz“ – Friedrich des Großen – lastete auf Wilhelmine von Preußen großes Prestige, was ihre familiären Beziehungen anging. Nachdem Heiratspläne nach England gescheitert waren, wurde Wilhelmine schließlich Markgräfin von Bayreuth, wo sie zusammen mit ihrem Ehemann Friedrich den Hof nach französischem Vorbild repräsentativ gestalten konnte. Viele wissen allerdings nicht, dass Wilhelmine zu den frühen Vertreterinnen der Aufklärung zählt und Kontakt zu Voltaire und anderen philosophischen Größen ihrer Zeit hatte. Zudem prägte sie Bayreuth mit Kunst und Musik. 

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7b durften sich am 06.07.2026 selbst auf die Spuren Wilhelmines begeben und im Neuen Schloss ihre letzte Wohnstätte erkunden. Dies geschah unter besonderen Bedingungen: Zum einen wurde das Schloss an diesem Tag exklusiv für die Klasse 7b geöffnet, zum anderen gab es keinen klassischen Tourguide. Stattdessen wurden die Schülerinnen und Schüler in Gruppen eingeteilt und erkundeten eigenständig einen ihnen zugewiesenen Raum. Jede Gruppe erhielt dazu einen Umschlag mit wichtigen Hinweisen zur Erkundung. Besonders spannend waren die Auszüge aus Wilhelmines Memoiren, von denen jede Gruppe unterschiedliche Passagen erhielt. Im Verlauf der abschließenden Klassenführung, bei der jede Gruppe ihren Raum vorstellte, fügten sich diese Ausschnitte schließlich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Die Schülerinnen und Schüler erkannten dabei, dass Wilhelmine zwar deutlich vom absolutistischen Herrschaftsideal geprägt war, zugleich aber auch mit ihren Memoiren einen besonderen Einblick in ihr Privatleben gewährte. Dieses unterschied sich in vielerlei Hinsicht von den gängigen Stereotypen des Absolutismus und ließ ein Leben „wie Gott in Frankreich“ eher fraglich erscheinen.

Müller, Fabian