Totalitäre Architektur und Kunst des III. Reichs in Bayreuth
Ein Projekt der Klassen 9c und d
Das für die 9. Jahrgangsstufe in der Unterrichtseinheit Forum vorgesehene Thema ist die Zeit des Nationalsozialismus. Dies entspricht auch dem Geschichtslehrplan in der 9. Klasse.
Die Klassen 9c und d haben sich in den Fächern Geschichte und Kunst in diesem Schuljahr kritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Bayreuth beschäftigt. Entstanden ist eine Ausstellung mit Informationsplakaten und Architekturmodellen als kritischer Kommentar zu dieser Zeit, die die Schülerinnen und Schüler in Teams erarbeitet haben. Unterstützt wurde das ganze Projekt mit einer Auswahl historischer Bildquellen und entsprechender Information nachhaltig durch das Historische Museum Bayreuth.
Für Adolf Hitler und die Führung der NSDSAP war Bayreuth neben Berlin, Nürnberg, München und Linz eines der wichtigen Zentren ihrer Macht und Ideologie. Bei Bayreuth beruhte das nicht zuletzt auf den persönlichen Kontakte Hitlers zur Familie Wagner, vor allem in den dreißiger Jahren zu Winifred Wagner. Zudem gab es in Bayreuth seit den zwanziger Jahren eine starke nationalsozialistische Bewegung.
Diese Bedingungen waren Ausgangspunkt für ein weitreichendes Architektur- und Kunstprogramm, vorangetrieben durch den ersten Gauleiter und bayerischen Kultusminister Hans Schemm, um eindeutig das Konzept des nationalsozialistischen Totalitarismus in der Stadt zu verankern. Die Planung erfolgte insbesondere durch den Bayreuther Architekten Hans Reissinger, der für das Haus der deutschen Erziehung des NS-Lehrerbundes am Luitpoldplatz, heute das EON-Gebäude, und den Ausbau der Ludwig-Siebert-Halle, heute das Friedrichsforum, verantwortlich war. Aber auch andere Gebäude entstanden in dieser Zeit wie ein HJ-Heim, heute das städtische Jugendheim bzw. kommunale Jugendzentrum, oder die Rotmainhalle. Diese Gebäude verdeutlichen, wie nachhaltig Bayreuth von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen war. Dazu trugen auch nationalsozialistische Künstler wie Oskar Martin-Amorbach, der das Fresko an der Rotmainhalle gestaltete, oder Erich Hoffmann und Roland von Bohr bei, die die Reliefsteine am Friedrichsforum schufen. Der ganze große Plan von Reissinger, die Anlage eines großen Gauforums, wurde nicht umgesetzt. Dennoch sind viele Belege der nationalsozialistischen Vergangenheit in Bayreuth zu finden, die kritisch betrachtet werden müssen.
Dabei darf auch ein Blick auf die Opfer nicht vergessen werden. Schon in den zwanziger Jahren ist ein wachsender Antisemitismus in Bayreuth zu verzeichnen. Im III. Reich trifft die Verfolgung unmittelbar die jüdische Familie Friedmann, deren großes Kaufhaus am Luitpoldplatz in den dreißiger Jahren abgerissen wird. Treibende Kräfte waren bei diesem Vorgehen die nationalsozialistische Stadtverwaltung und Hitler selbst. Das tragische Schicksal der Familie Friedmann steht beispielhaft für die Verfolgung und letzten Endes Vertreibung oder Ermordung der jüdischen Bürger Bayreuths.
Architektur und Kunst sind wichtige Zeugen dieser katastrophalen Epoche in der deutschen Geschichte. Eine Auseinandersetzung damit ist im Schulunterricht eine beständige Notwendigkeit.
Die Ausstellung wird bis zum Ende des Schuljahres im GCE präsentiert.